Wirtschaft : Die Anleger müssen nun hinter die Kulisse der Entertainer schauen (Kommentar)

Henrik Mortsiefer

Licht aus, Spot an: Am Neuen Markt feiern jetzt die deutschen Entertainer Börsenpremiere. Die jüngsten Neuzugänge Constantin-Film und Jack White präsentieren sich den Anlegern als Aushängeschilder einer Branche, die früher an der Börse noch gar nicht zu haben war. Der Neue Markt und die teils schwindelerregenden Erfolge einiger Börsenpioniere wie EM-TV oder Kinowelt haben das geändert. Das Parkett zieht die Medienwelt magisch an. 16 heimische Medienwerte notieren inzwischen in Frankfurt. Von ihren Produktionen wie vom Kursverlauf der Papiere gleichermaßen fasziniert, stürzen sich die Anleger auf die Neuemissionen. Überdurchschnittliche Bewertungen, glänzende Aussichten und eine unverändert hohe Nachfrage nach Spiel, Spaß und Spannung rücken die Anbieter ins rechte Licht. Doch mancher, der sich von der Euphorie mitreißen ließ, stellt fest, dass der glamouröse Auftritt in böser Katerstimmung enden kann. Es bleibt dabei: Große Chancen, hohes Risiko. Wer seine Ersparnisse am Neuen Markt investiert, muss den Absturz einkalkulieren - gerade bei den Entertainern. Denn auch im schillerndsten aller börsennotierten Wirtschaftszweige werden Bilanzen gelesen. Das heißt in der Branche: Die Wertschöpfungskette muss permanent ausgeweitet werden. Der gute Draht zu den Künstlern zählt so viel wie die Verwertung von Rechten und Marken, der Erfolg beim Publikum ist so wichtig wie die Strategie im globalen Konzentrationsprozess, die starken Partner zählen mehr als ein guter Slogan. Anleger sollten einen Blick hinter die Kulissen wagen, wenn sich der Vorhang am Neuen Markt wieder öffnet.

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