Wirtschaft : Die Anleger werden erwachsen (Kommentar)

Henrik Mortsiefer

Am Ende fehlte nicht mehr viel: Nur 42 Zähler blieb der Deutsche Aktienindex am letzten Börsentag des Jahres unter der Hürde von 7000 Punkten. Der Rekord der Rekorde hätte das große Börsen-Finale 1999 mit einem Paukenschlag beendet. Aber den wenigen Händlern, die am letzten Handelstag noch ausharrten, ging in den letzten Stunden die Puste aus. Was am Donnerstag nicht gelang, wird die Börse nach dem Jahreswechsel nachholen. Da sind sich die Experten einig. Der fulminante Aufschwung, der den Anlegern zuletzt die Sprache verschlug und Analysten in Erklärungsnöte brachte, spricht dafür. Ungebrochen ist das Vertrauen in die Wachstumskräfte der Konjunktur, ungetrübt die Hoffnung auf steigende Gewinne der Unternehmen.

Vor allem Kleinanleger waren es im vergangenen Börsenjahr, die ihr Erspartes an der Börse einsetzten. Nie zuvor hatten die großen Fonds-Gesellschaften so viel Anlegergeld zur Verfügung. Am Aktienmarkt haben sie es in den vergangenen Wochen in so großem Stil investiert, dass alle Prognosen für das letzte Börsenquartal hinfällig wurden. Dass die "Volks-Aktie" der Telekom ihren Kurs um 153 Prozent steigern konnte und als Sieger aus dem Börsenrennen geht, darf deshalb symbolisch genommen werden. Der große Gewinn der T-Aktie zeugt von der Anziehungskraft, die das Börsengeschehen inzwischen auf viele ausübt. Es sind längst nicht mehr nur die großen Kapitalsammler, die um das Index-Schwergewicht Telekom nicht herumkommen. Es sind jene Kleinsparer, die sich durch die Werbung von Manfred Krug auf das Parkett locken ließen. Acht Millionen Deutsche besitzen Aktien oder Fondsanteile. Das sind 13 Prozent der Bevölkerung. Das markiert auch hierzulande den allmählichen Abschied von Sparbuch und Festverzinslichen. Kein schlechtes Zeichen zum Jahreswechsel: Die Deutschen Anleger werden erwachsen.

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