Wirtschaft : Die Anleger werden skeptischer

Stefan Kaiser

Furios gestartet – und dann doch noch schlapp gemacht. So sah die erste Woche 2007 für den deutschen Aktienindex Dax aus. Zunächst schien es, als wollte er nach der Marke von 6600 Punkten auch gleich die Schwelle von 6700 nehmen. Die ersten Spekulanten sahen schon die 7000 in Reichweite. Die Investoren öffneten ihre Bücher und pumpten frisches Geld in den Markt. Am Donnerstag und Freitag verlor der Dax die ganzen schönen Gewinne aber wieder und schloss in etwa dort, wo er das vergangene Jahr beendet hatte.

Es waren vor allem die großen Energiekonzerne, die den Dax wieder nach unten zogen: Eon, gewichtigster Wert im Dax, verlor innerhalb von drei Tagen fast sieben Prozent. Auch die RWE-Aktie wurde in Mitleidenschaft gezogen.

Ab der kommenden Woche dürften sich die Blicke der Anleger wieder stärker auf die USA richten. Dort beginnt am Dienstag die Bilanzsaison der namhaften Unternehmen. Den Anfang macht wie immer der weltgrößte Aluminiumhersteller Alcoa. „Die Richtung, die Amerika vorgibt, muss stimmen“, sagt Steffen Neumann, Aktienstratege der Landesbank Baden-Württemberg. Für gute Stimmung dürfte der geringe Ölpreis sorgen – dass er in naher Zukunft wieder deutlich ansteigen wird, ist derzeit sehr unwahrscheinlich.

Für Unruhe könnte am Donnerstag die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihren geldpolitischen Kommentaren sorgen. Im Dezember, nach der letzten Sitzung, hatte sie den weiteren Kurs für 2007 offengelassen. Wegen der aktuell guten Lage am Arbeitsmarkt und der stark gestiegenen Geldmenge ist eine weitere Erhöhung der Leitzinsen über die Marke von 3,5 Prozent hinaus allerdings wahrscheinlich – wenngleich erst im März, wie die meisten Experten derzeit vermuten. Bis dahin wird sich die Notenbank die Konjunkturdaten aufmerksam ansehen, insbesondere die Entwicklung der Inflation in Deutschland nach dem Anstieg der Mehrwertsteuer.

Mittelfristig sind sich die Experten uneinig, in welche Richtung es auf den Aktienmärkten gehen wird. Die skeptischen Stimmen werden angesichts wachsender Zinssorgen wieder etwas lauter. „Dem Dax dürfte zunächst eine schwierige erste Jahreshälfte bevorstehen“, urteilen etwa die Experten der DZ Bank.

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