Wirtschaft : Die Anleger werden vorsichtig und setzen auf defensive Titel

Im Februar ist der Dax zeitweise sogar unter 4000 Punkte gesackt

Veronika Csizi

Berlin. Für viele Anleger war der Karneval bereits am Faschingsdienstag vorbei: Denn erstmals seit Ende Dezember ist der Deutsche Aktienindex (Dax) in der letzten Februarwoche unter die 4000-Punkte- Marke abgetaucht. Schuld daran war der jüngste Ifo-Geschäftsausblick, der eine leicht ernüchterte Stimmung in der deutschen Wirtschaft widerspiegelte – erstmals seit neun Monaten.

Nur elf Dax-Werte beendeten den Februar im Plus, 19 dagegen zum Teil tief im Minus. Der Dax selbst hat die deutlichen Gewinnmitnahmen bei vielen Werten dagegen ohne größere Blessuren überstanden und notierte Ende Februar gerade mal 0,4 Prozent niedriger als vier Wochen zuvor. Der Grund: Die Anleger bleiben in Aktien investiert, haben aber die Pferde gewechselt, also umgeschichtet. Vorne in der Gunst lagen defensive Werte wie RWE, Deutsche Post und EON mit 9,6 beziehungsweise knapp sieben und 5,7 Prozent Monatsplus. Vor allem RWE lieferte dafür handfeste Gründe: Das Ergebnis um ein knappes Viertel verbessert, Abschreibungen und Schulden abgebaut, zweistelliger Anstieg des Nettoergebnisses für 2004 und stetige Dividenden-Erhöhung anvisiert, konnte Vorstandschef Harry Roels bei der Bilanzvorlage vermelden. Zudem spült der Verkauf der Hoch-Tief-Beteiligung wohl eine knappe Milliarde in die RWE-Kassen.

Dass Börsengänge nach drei schwierigen Jahren wieder positiv bewertet werden, machte die Deutsche Post AG deutlich. Nach Meldungen, der Börsengang der Postbank könnte auf Ende Juni vorgezogen werden, griffen viele Anleger zu, erwartet die Post AG doch Cash-Zuflüsse von 2,5 bis drei Milliarden Euro aus dem Verkauf der hundertprozentigen Tochter.

Sehr differenziert sahen die Anleger im Februar die Banken im Dax. Während die Deutsche-Bank-Aktie mit einem Zuwachs von 9,7 Prozent der Spitzenreiter im Dax war, ging die Hypo-Vereinsbank mit einem Abschlag von gut 13 Prozent in den März. Überzeugt habe die Käufer des Branchenprimus vor allem der ambitionierte Geschäftsausblick von Vorstandschef Josef Ackermann sowie neue Rückkaufprogramme, hieß es. Die Hypo dagegen verschreckte ihre Aktionäre mit dem größten Verlust der Firmengeschichte und einer voluminösen Kapitalerhöhung.

Ähnlich gegensätzlich beurteilten die Investoren auch die beiden Pharma-Aktien im Dax. Schering wurde verkauft, Altana gekauft. Dass das US-Unternehmen Biogen dem Schering-Verkaufsrenner Betaferon schneller als gedacht Konkurrenz machen will, schmeckte den Anlegern gar nicht. Nach der Kursrallye vom Januar verlor das Papier 5,6 Prozent und notiert damit fast wieder auf dem Niveau von Ende 1998. Ganz anders Altana: Spitzenumsätze von einer Milliarde Euro traut das Unternehmen zwei neuen Medikamenten zu, von denen eines erstmals auf dem Markt ist, ein anderes ist in der Zulassungsphase.

Einig war man sich dagegen in Sachen Autos. Bei Daimler-Chrysler rollt die US-Sparte Chrysler schlechter als erwartet, VW meldete herbe Gewinneinbrüche und kürzt die Dividende. Dass der starke Euro für Exporteure eher hinderlich ist, bewies der mit minus 29 Prozent sehr schwache VW-Verkauf in den USA. So lag es wohl auch an der plötzlichen Euro-Schwäche, dass die Autos im Deutschen Aktienindex seit Aschermittwoch wieder Gas geben. Für mehr als ein Minus von 6,6 Prozent bei VW, 5,5 bei Daimler-Chrysler und gut zwei bei BMW hat es dennoch nicht gereicht.

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