Wirtschaft : Die Anti-Jobs-Bank

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Nachdem General Motors von der Ratingagentur Standard & Poor’s kürzlich mit dem gefürchteten B-Rating bewertet wurde, sieht es noch schlechter aus für den Automobilkonzern. Der Grund für die Senkung ist laut Standard & Poor’s, dass GMs Chef Rick Wagoner das Unternehmen nicht radikal genug restrukturiert, um es vor der Insolvenz zu retten.

Wagoner hat sich derweil mit Ford-Chef Willam Ford zusammengetan, um Steuergelder aus Washington zu erbitten. Da ist es im Sinne des Steuerzahlers nur fair, Fragen zu stellen, die sich mit den Geschäftspraktiken GMs beschäftigen.

Da ist vor allem die „Jobs-Bank“, ein Euphemismus für eine Institution, in der entlassene Mitglieder der Autogewerkschaft UAW dafür bezahlt werden, nicht zu arbeiten. GM spricht nicht gerne über diese Bank, wer von ihr profitiert und was sie das Unternehmen kostet. Schätzungen der Presse belaufen sich auf 5000 bis 6000 Beschäftigte und Kosten um 600 Millionen Dollar im Jahr.

Die Jobs-Bank datiert aus dem Jahr 1984, als die Sorge um die fortschreitende Automatisierung umging. GM, Ford und Chrysler bezahlen die Leute, deren Jobs überflüssig wurden, für soziale Tätigkeiten, Weiterbildung oder bloßes Herumsitzen, bis es neue Jobs für sie gibt. Dafür durften die Unternehmen die Produktion automatisieren. Das Problem ist jedoch, dass die Autohersteller in den vergangenen zwei Jahrzehnten eher geschrumpft sind und die Betroffenen länger in der Job- Bank bleiben als geplant.

Das soziale Engagement, zu dem sich GM bereit erklärt hatte, wurde zum Mühlstein um den Hals des Unternehmens. Während die Jobs-Bank das Ziel hat, kurzfristige Arbeitsplatzknappheit auszugleichen, warten viele Betroffene nur auf ihren Ruhestand. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete kürzlich von dem GM- Arbeiter Dennis Braid, der 2009 in Rente gehen wird. Zu dem Zeitpunkt wird er mehr als ein Drittel seiner Karriere „in der Bank“ verbracht haben. Auf jeden dieser Dennis Braids kommen bei GM zehn Arbeiter, die an Fließbändern stehen, die mit Verlust laufen. Denn die Jobs-Bank schreckt die Konzernleitung ab, Leute zu entlassen, um Kosten zu reduzieren, denn GM muss sie in der Job-Bank ohnehin weiterbezahlen.

GM hat viele Probleme: die Attraktivität der Produkte oder die immensen Gesundheitskosten, die der Konzern einer Million Rentnern zahlt. Aber das Wichtigste ist die Unternehmensgröße. GM ist nicht so groß, wie es einmal war, als es die jetzigen Leistungen für Rentner und Mitarbeiter versprochen hat. GM hat eine der produktivsten Belegschaften der Welt, aber für die Autos, die GM heute verkaufen kann, sind es zu viele Mitarbeiter.

Die Jobs-Bank ist Ursache und Symptom dieses Problems. Den Arbeitern sind Arbeitslosigkeit und Not nicht zu wünschen, aber die Zukunft des Unternehmens hängt von der Anpassung der Belegschaft an die Produktion ab. Wenn die Jobs-Bank und der Selbstbetrug, für den sie steht, nicht behoben werden, wird dieser Mühlstein das Unternehmen weiter herunterziehen, das einmal eine der großen Marken Amerikas war.
Beitrag aus: The Wall Street Journal.

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