Wirtschaft : Die Anti-Marlboro-Männer

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Viele Menschen sehen Rauchen als selbstzerstörerisch an. Das mag sein. Nur verhalten sich jetzt die Leute, die das Rauchen in Europa regulieren, selbstzerstörerisch. Dort soll ab 2005 beinahe alle Tabakwerbung abgeschafft werden. Gesundheitskommissar Byrne bezeichnet das als „Sargnagel für die Tabakindustrie“, der britische Gesundheitsminister Milburn als „Schlag gegen die Tabakwerbung“. Schläge führt man normalerweise gegen illegale Aktivitäten. Widersprüchlich ist auch das kommende Verbot der Bezeichung „light“ für Zigaretten. Gleichzeitig wird aber verordnet, dass Zigaretten „leichter“ werden müssten.

Des Weiteren versucht die EU, den Zigarettenkonzern R.J. Reynolds vor einem USGericht zu verklagen. Die EU machte vor zwei Jahren ohne Erfolg einen ähnlichen Vorstoß. Es wurde dabei entschieden, dass es sich beim Tabak um ein Gesundheitsthema handelt, nicht aber um eine Angelegenheit des gemeinsamen Marktes. Deswegen liege die Entscheidung bei den Mitgliedsstaaten. Jetzt will die EU ihre Möglichkeiten voll ausschöpfen. Deutschland, das schon gegen das erste Werbeverbot klagte, ist wieder nicht überzeugt, eine neuerliche Anfechtung würde nicht überraschen.

Wir wollen nicht auf den Ausgang eines noch nicht angestrengten Prozesses spekulieren, aber es sieht so aus, als schlüge die EU mit dem Kopf gegen die Wand. Befremdlich ist dabei, dass die meisten Mitglieder Tabakwerbung von selbst verbieten, weswegen sich die Frage stellt: Wozu das Ganze?

Die EU scheint entschlossen, die Tabakindustrie zu zerschlagen oder zumindest zu schwächen – trotz der einträglichen Steuern aus dieser Branche. So erscheint auch die widersprüchliche „Light“-Regulierung als bloße Schikanierung einer unwillkommenen Branche. Enttäuschend ist das auch, weil das Recht, seine Gesundheit mit Tabak zu schädigen, in Europa relativ unbeschnitten geblieben ist, während die Rauchverbote in den USA viel weiter fortgeschritten sind.

Es gibt viele Möglichkeiten, sich selbstzerstörerisch zu verhalten. Man sollte doch annehmen, dass die EU bei all ihren sinnlosen und widersprüchlichen Anstrengungen eine höhere Toleranz für das individuelle Recht zeigt, sich an Dingen zu erfreuen, die nicht der persönlichen Verbesserung dienen.

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