Wirtschaft : Die Arbeitnehmer wollen "mehr Geld in der Tasche"

STUTTGART/FRANKFURT (uwe/df/HB).Die IG Metall-Bezirke in Baden-Württemberg und in Niedersachsen haben am Donnerstag ihre Tarifforderungen für die kommende Tarifrunde beschlossen.Beide Bezirke werden 6,5 Prozent mehr Lohn verlangen, wie es der Tarifausschuß der Gewerkschaft empfohlen hatte.In Baden-Württemberg hatte es im Vorfeld Auseinandersetzungen im Arbeitnehmerlager gegeben: Viele Betriebsräte lehnten die Forderungsempfehlung ab, weil sie ihnen als zu niedrig erschien.

Die IG Metall in Baden-Württemberg rechnet mit einer langen Tarifrunde.Der bisherige Bezirksleiter Gerhard Zambelli sagte im ZDF, daß die Arbeitnehmer "mehr Geld in der Tasche" erwarteten.Einen Anstieg der Reallöhne durch Steuerentlastungen wollten sie sich nicht anrechnen lassen, sagte Zambelli.

Dagegen drängen die niedersächsischen Metallarbeitgeber auf einen schnellen Abschluß.Niedersachsens Arbeitgeberchef Dietrich Krönke sagt: "Da die Gewerkschaft eine reine Lohnrunde will, empfehle ich, daß wir wirklich nur übers Geld reden.Der niedersächsische IG-Metallbezirksleiter und designierte zweite Vorsitzender der Gewerkschaft, Jürgen Peters, wies die Arbeitgebervorstellungen zu einer höheren Einmalzahlung und einem niedrigeren prozentualen Abschluß zurück.

Unterdessen hat Jörg Barczynski, der Sprecher der IG Metall im Düsseldorfer Handelsblatt erklärt, wie durch die vom Gewerkschaftschef Klaus Zwickel favorisierten Tariffonds eine Rente ab 60 ohne Rentenabschlag zu finanzieren sei.Zwickel gehe bei der Berechnung der Kosten eines bundesweiten Tariffonds davon aus, daß es in der Bundesrepublik rund drei Millionen Arbeitnehmer im Alter zwischen 55 und 65 Jahren gibt, die für einen frühzeitigen Ausstieg aus dem Arbeitsleben optieren könnten.Achtzig Prozent davon - also 2,4 Millionen - würden nach den Schätzungen der Gewerkschaft nach dem 60.und vor dem 65.Lebensjahr in Frührente gehen wollen.Weil der Belegschaftsabbau in der deutschen Wirtschaft inzwischen weitgehend zum Stillstand gekommen ist, würden die freiwerdenden Stellen zum großen Teil neu besetzt werden.

Nach Meinung der Arbeitgeber liegen die Kosten der Rente ab 60 ohne Rentenabschläge bei rund und 100 000 DM je Rentner, das wären insgesamt, über mehrere Jahre verteilt, 240 Mrd.DM.Die IG Metall glaubt, daß man mit gut der Hälfte dieses Betrages auskommen wird.

Die Lohnsumme in der Bundesrepublik liegt derzeit bei 1 200 Mrd.DM.Würden die Tarifvertragsparteien gemeinsam, hälftig und jährlich kumulierend je einen Prozentpunkt der Lohnerhöhung an den Tariffonds abführen, dann ergäben sich Fondseinnahmen von insgesamt 180 Mrd.DM.Die IG Metall rechnet dabei wie folgt: Der Fonds soll zunächst auf fünf Jahre angelegt werden.Bei einer jährlichen Lohnerhöhung von fünf Prozent würden die Arbeitnehmer auf 0,5 Prozentpunkte zugunsten des Fonds verzichten, die Arbeitgeber würden 0,5 Prozentpunkt zusätzlich zahlen, insgesamt einschließlich des an die Arbeitnehmer auszuzahlenden Lohns also 5,5 Prozent.

Dem Fonds stünden aus der Lohneröhung des ersten Jahres fünf mal 12 Mrd.DM, das sind 60 Mrd.DM zur Verfügung, im zweiten Jahr aus der Lohnerhöhung dieses Jahres für vier Jahre weitere 48 Mrd.DM, in den folgenden Jahren 36, 24 und im letzten Jahr 12 Mrd.DM, insgesamt also 180 Mrd.DM.Diese Summe sei völlig ausreichend, da in der Schätzung von 2,4 Millionen rentenwilligen Arbeitnehmern auch die 55- bis 60jährigen Kollegen enthalten seien, die noch gar keine Ansprüche hätten.

In diesem Zusammenhang müsse auch berücksichtigt werden, daß bei der Verwirklichung dieses Modells immerhin eine Million Arbeitslose wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden könnten, für die kein Arbeitslosengeld mehr gezahlt werden müsse, die aber ihrerseits Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung und Lohnsteuer zahlten.Wenn die Bundesanstalt für einen Arbeitslosen im Jahr 40 000 DM zahlen müsse, dann würde sie um 40 Mrd.DM entlastet, was auch zu einer wesentlichen Beitragssatzsenkung in der Arbeitslosenversicherung führen könne.

IG-METALL-CHEF KLAUS ZWICKEL rechnet mit Kosten von rund 50 000 DM pro Frührentner.Die Arbeitgeber gehen vom Doppelten aus.

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