Die Arbeitsbedingungen in Textilfabriken : Ein Knopf für faire Kleidung

Politik und Handel haben aus den Unglücken in Textilfabriken gelernt: Dank eines „Grünen Knopfs“ sollen Verbraucher bald fair produzierte Kleidung besser erkennen können.

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Die Rufe nach besseren Arbeitsbedingungen für Näherinnen und Näher ist nach dem Unglück von Rana Plaza lauter geworden. Geändert hat sich wenig.
Die Rufe nach besseren Arbeitsbedingungen für Näherinnen und Näher ist nach dem Unglück von Rana Plaza lauter geworden. Geändert...Foto: picture alliance / dpa

Ob dem Minister das T-Shirt für 2,50 Euro gefällt, das man ihm zeigt, wird nicht ganz klar. Klar aber ist für Gerd Müller, dass der Preis das Problem ist. „In der Fabrik in Bangladesch wird das T-Shirt für 80 Cent gekauft. Oder die Jeans für drei Euro, die in Frankfurt oder Berlin im Laden 80 oder 100 Euro kostet.“ Und dass die Näherin in Bangladesch, Kambodscha oder Pakistan pro Stunde gerade mal 12 oder 14 Cent erhält, 14 bis 16 Stunden pro Tag arbeitet und das sechs Tage in der Woche. „Das können wir nicht akzeptieren.“

Für Bundesentwicklungsminister Müller (CSU) geht das Problem noch viel weiter. Wie sieht es mit den Sicherheitsstandards in den Fabriken aus? Feuerschutz? Unvergitterte Fenster? Freie Notausgänge? Und was ist mit Abwässern, wenn Textilien gefärbt werden? Für Verbraucher hierzulande ist es schwierig, das zu durchblicken. Mit dem „Grünen Knopf“ will Müller deshalb in etwa einem Jahr für Klarheit sorgen. Der Knopf an Textilien soll belegen, dass sie sozial und fair auf der Basis angemessener Löhne und Sicherheitsstandards und ökologisch sauberer Bedingungen produziert wurden.

2012 starben bei einem Fabrikbrand in Bangladesh 120 Näherinnen

Gerade jährt sich zum dritten Mal der Brand in der Tazreen-Fabrik in Bangladesch. Am 24. November 2012 starben fast 120 Näherinnen und Näher, über 200 wurden zum Teil schwer verletzt, weil die Notausgänge verriegelt waren. Ein halbes Jahr später ereignete sich die Katastrophe in der Rana-Plaza-Fabrik, deren Einsturz mehr als 1000 Tote forderte. In beiden Fabriken wurden Textilien auch für deutsche Konzerne genäht.

„Wer meint, ,Geiz ist geil’, kauft auf Kosten anderer Menschen“, sagt er. In Asien, in Lateinamerika, in Afrika, aber auch in Osteuropa, wo Kleidung für westliche Konzerne unter oft skandalösen Bedingungen hergestellt wird. 2014 hat der CSU-Politiker das Bündnis für nachhaltige Textilien ins Leben gerufen. Händler sollen endlich mit dafür sorgen, dass in den Fabriken faire, existenzsichernde Löhne gezahlt, die notwendigen Sicherheits- und Brandschutzmaßnahmen eingehalten und keine dreckigen Abwässer ausgeleitet werden. Nach zähem Beginn hat das Bündnis heute 170 Mitglieder: Das sind Organisationen der Zivilgesellschaft und deutsche Textilhändler. Sie verpflichten sich zu einem Aktionsplan, mit dem soziale und ökologische Standards verbessert werden sollen.

Ab Herbst 2016 soll ein Knopf fair produzierte T-Shirts kennzeichen

Einer der Händler ist die Otto-Gruppe. „Natürlich wollen wir die Verhältnisse verbessern“, sagt Sprecher Thomas Voigt. Aber das sei nicht so einfach. So würden die riesigen Spannen zwischen Löhnen und Verkaufspreisen zum Beispiel nicht alle beim Händler landen. Transport und vor allem Marketing verschluckten viel Geld. Schließlich wollten die Firmen, dass ihre T-Shirts und Hemden auch gekauft würden. Die Rendite der Händler liege im Schnitt bei nur vier Prozent.

Minister Müller setzt nun darauf, dass der Knopf ab Herbst 2016 tatsächlich an Textilien im deutschen Handel zu finden ist. Und dass dann möglichst die gesamte Branche beim Textilbündnis mitmacht. Er verweist aber auch auf die Verbraucher. Sie hätten die Macht, durch ihre Kaufentscheidung etwas zu verändern.

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