Wirtschaft : Die Asienkrise zieht weitere Kreise

SEOUL/TOKIO (AFP/ga/HB).In Südkorea haben am Mittwoch Zehntausende Metallarbeiter die Arbeit niedergelegt.Nach Angaben der Metallarbeitergewerkschaft KMWU beteiligten sich 65 000 Beschäftigte an dem Ausstand.Etwa 10 000 von ihnen wollten sich zu einer Kundgebung in der Hauptstadt Seoul versammeln.Für den heutigen Donnerstag hat der radikale Gewerkschaftsdachverband KCTU zu einem Generalstreik aufgerufen.Die Regierung machte ihre Drohung bereits teilweise wahr, gegen die als illegal bezeichneten Streiks vorzugehen.Die Polizei nahm in den Städten Ulsan und Pusan 19 Aktivisten fest, darunter auch zwei KCTU-Mitarbeiter.

Angesichts der Proteste gegen die geplanten Massenentlassungen standen die Fließbänder der beiden größten Autohersteller Hyundai und Daewoo am Mittwoch weiter still.Inoffiziell hieß es, beide Unternehmen rechneten damit, daß die Fabriken noch mehrere Tage lahmgelegt sein werden.Die Streiks richteten sich gegen geplante Entlassungen und Gehaltskürzungen.

Die Asienkrise hinterläßt auch Spuren bei Japans Exportunternehmen.Zwar ist Japans Handelsüberschuß in der ersten Hälfte dieses Jahre als Folge der forcierten Exporte nach Nordamerika und Westeuropa sowie der konjunkturell bedingten Importschwäche gegenüber dem Vorjahr um 66 Prozent auf 6,6 Billionen Yen angeschwollen, die Geschäfte mit den anderen asiatischen Krisen-Staaten laufen dagegen schlecht.Auch Japans Ausfuhren in die Volksrepublik China, die bis April noch monatlich um rund 10 Prozent zugenommen hatten, blieben im Juni wie bereits im Mai leicht hinter dem Vorjahresniveau zurück.

Nach den noch vorläufigen Angaben des japanischen Finanzministeriums lagen die Exporte zwischen Januar und Juni dieses Jahres angesichts der weiteren markanten Abwertung des Yen zwischen Juni 1997 und Juni 1998 um rund 23 Prozent mit 25,3 Billionen Yen um 2,2 Prozent über dem Vorjahreswert.Allein im Juni stiegen die Ausfuhren sogar im Vorjahresvergleich um 5,2 Prozent auf 4,3 Billionen Yen.Im Zentrum der japanischen Exportoffensive standen Autos, Motorräder und Videogeräte.Auch der Export von Stahl nahm überdurchschnittlich zu.Demgegenüber war der weltweite Export von elektronischen Bauelementen, Computern und Metallbearbeitungsmaschinen deutlich rückläufig.

Als Folge der Asienkrise lagen Japans Exporte in diese Region im ersten Halbjahr 1998 mit 8,9 Billionen Yen um 15 Prozent unter dem Vorjahreswert.Die Lieferungen nach Taiwan, in die Volksrepublik China und Indien nahmen zwar deutlich zu.Demgegenüber fielen jedoch Japans Exporte nach Indonesien, Südkorea, Thailand, Malaysia, Singapur und die Philippinen entsprechend der ungünstigen Konjunkturlage in diesen Staaten deutlich hinter das entsprechende Vorjahresniveau zurück.

Besonders beeinträchtigt von dieser drastischen Exportabschwächung im Asiengeschäft waren Japans Lieferungen von Autos und Kfz-Komponenten sowie fast sämtliche Sparten des Maschinenbaus und der Elektro- und Elektronikindustrie.Als Kompensation hierzu forcierte Japan seine Exporte von Autos und Erzeugnissen der Elektro- und Elektronikindustrie nach Nordamerika und Europa, was zu einer erneuten massiven Ausweitung des Handelsungleichgewichts mit diesen beiden Regionen führte: Der Handelsüberschuß mit den USA schwoll so im ersten Halbjahr 1998 um knapp 38 Prozent auf 3,1 Billionen Yen an, und im Handel mit der EU weitete sich der Überschuß sogar um knapp 90 Prozent auf zwei Billionen Yen aus.

Anders die Importseite: Wegen der schwachen Inlandsnachfrage, des Preisverfalls bei Öl, aber auch wegen der wechselkursbedingten Drosselung des Reimports von außerhalb Japans produzierten Autos durch die führenden japanischen Hersteller kam es in den ersten sechs Monaten dieses Jahres zu einem deutlichen Rückgang der Einfuhren um 9,9 Prozent auf 18,7 Billionen Yen.

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