Wirtschaft : Die Auf- und Absteiger des Jahres

Die Börsenkrise hat auch die Führungsetagen nicht verschont – die Zeit der Visionäre ist vorbei, jetzt haben wieder bewährte Kräfte das Sagen

Ursula Weidenfeld

Das Jahr 2002 war ein schlechtes für die Unternehmen. Noch schlechter aber war es für die Manager. Viele der Hoffnungsträger der 90er Jahre mussten abtreten. Ersetzt wurden sie meist durch Manager, die schon in den 80er Jahren in Unternehmensvorständen saßen: seriöse, konservative ältere Männer, die ihre Karrieren als Finanzvorstände oder Controller gemacht haben. Keine klassischen Aufsteiger, sondern eher Wiederkehrer. Männer wie Gunter Thielen, der bei Bertelsmann das Ruder übernahm, oder der ehemalige Springer-Chef Jürgen Richter, der seit kurzem beim Berliner Multimediaunternehmen Pixelpark das Regiment führt. Nach den Visionen und den globalen Strategien der Boomjahre zählen nun wieder Verlässlichkeit und konservative Buchführung.

Der Grund: Mit dem Börsenkrach ging den Unternehmen die Währung aus, mit der weitere Übernahmen hätten bezahlt werden können oder mit denen sie zumindest ihre Schulden hätten ablösen können. Weil an der Börse kein Geld mehr zu holen war, brach bei vielen kleinen neuen Unternehmen die Firmenstrategie zusammen. Vor allem die so genannte New Economy wurde schwer getroffen. Aber auch die Großunternehmen litten unter der Börsenkrise – vor allem diejenigen, die in der Telekommunikations- und Medienbranche angesiedelt sind. Diese Unternehmen waren in den vergangenen Jahren besonders schnell gewachsen, wurden an der Börse besonders hoch bewertet und konnten nun ihre zum Teil enormen Schuldenlasten nicht mehr bedienen. Das hatte Konsequenzen – beim Börsenkurs und bei der Besetzung der Vorstände.

Nicht nur in Deutschland mussten Managertypen wie Ron Sommer oder Thomas Middelhoff, der Kirch-Vertraute Dieter Hahn oder der Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid abtreten. In den USA und in England, in Frankreich und in Italien blieb kaum ein Stein auf dem anderen. Unsolide, zum Teil betrügerische Bilanzführung kam dazu. Das Vertrauen der großen und kleinen Anteilseigner in die früheren Charismatiker an der Spitze zerbröselte noch schneller als der Börsenwert der Unternehmen.

Die Zeit der Stars, die allein führen und denen Mitarbeiter und Aktionäre einen barocken Lebensstil gönnen, ist vorbei, sagt die Unternehmensberatung A. T. Kearny über die internationalen Führungsetagen. Nun komme es wieder auf Teamfähigkeit an und auf die Fähigkeit, die Mannschaft zu schnellem und entschlossenem Handeln zu bringen. Die Konsequenz: Als Erstes wurden die Manager ausgetauscht, dann wurde die Strategie umgestellt. Von Expansion auf Sanierung, von Globalisierung auf Regionalisierung. In vielen Unternehmen wurde das Rad wieder zurück gedreht.

Profitiert haben im vergangenen Jahr dagegen Führungskräfte in den konservativen Branchen, die ihre Krise bereits ein bisschen früher durchlitten haben als andere Wirtschaftszweige. Bei Daimler-Chrysler zum Beispiel sitzt Jürgen Schrempp nun wieder fest im Sattel, seine Statthalter in Detroit und Japan, Dieter Zetsche und Rolf Eckrodt, gelten als die Stützen des Unternehmens. Auch BMW hat das Debakel um die Übernahme des britischen Autobauers Rover offenbar endgültig verkraftet. Das Unternehmen meldete in diesem Jahr wieder Rekordzahlen.

Spannend wird es im kommenden Jahr auch im Management der Finanzdienstleister. Der vor wenigen Tagen angekündigte Abgang von Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle, der im Frühjahr 2003 seinen Stuhl räumen will, dürfte nur der Anfang einer Erneuerungswelle bei den Banken und Versicherungen sein. Vor allem bei der Allianz-Tochter Dresdner Bank wird sich entscheiden, ob sie eine Bank mit eigenständiger Führung bleibt oder eine Vertriebsabteilung der Versicherung wird. Bei der Hypo-Vereinsbank steht ein Führungswechsel an. Und auch bei der Deutschen Bank stellt man sich die bange Frage, was zu tun ist, wenn die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft sich zu einer Klage gegen Bank-Chef Josef Ackermann entschließt.

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