Wirtschaft : Die Auf- und Absteiger des Jahres

Den neuen Führungskräften steht die Bewährungsprobe noch bevor – auch wenn die Unternehmensgewinne der Konjunktur schon mal vorauseilen

Dieter Fockenbrock

MANAGERBILANZ 2003

Die Unternehmer und Manager können sich nicht beklagen. Es war ein solides Jahr. Nicht die Umsätze, aber die Gewinne kletterten nach mageren Jahren wieder eindeutig nach oben. Und auf den Gewinn kommt es schließlich an. Das Jahr 2003 kann sich sehen lassen. Kein Boom, keine Katastrophen – und fast keine Großpleiten. Nur der Mittelstand stirbt leise vor sich hin, mit mehr als 40 000 Firmeninsolvenzen markiert das Jahr einen neuen Rekord. Schlagzeilen machte dagegen die Mannheimer Versicherung. Schließlich war es das erste Mal, dass ein so großes Versicherungsinstitut scheiterte, weil die Börsenentwicklung falsch eingeschätzt worden war. Zumal die Mannheimer in den Jahren zuvor mehrfach als mustergültig ausgezeichnet worden war.

Im Übrigen geht es den meisten Akteuren der Finanzbranche wieder einigermaßen. Noch vor einem Jahr war von Bankenkrise die Rede, was Josef Ackermann (Deutsche Bank) und seine Kollegen von der Commerzbank und der Hypo-Vereinsbank überhaupt nicht gerne hörten. Doch der Absturz der Börsen hatte so tiefe Wunden in die Bilanzen gerissen, dass die Herren der privaten Banken sich genötigt sahen bei Gerhard Schröder anzuklopfen, um beim Kanzler der Bosse gut Wetter für die Finanzbranche zu machen. Es zahlt sich aus. Die Debatte um den Einstieg der Großbanken bei Sparkassen ist in Gang gekommen – unter wohlwollendem Nicken der Regierung.

Gemessen an den wieder halbwegs zufrieden stellenden Gewinnen der meisten Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen lag die Konjunktur 2003 weiter auf der Intensivstation. Und es wollte sich partout keine Besserung einstellen. Das Zittern um die Genesung der Wirtschaft hielt bis zum späten Sommer. Erst dann gab es zaghafte Anzeichen, dass die Konjunktur nach drei Jahren die Krankenstation verlassen könnte. Und erst im Herbst war klar, dass aus der vagen Hoffnung nach einigen Prozentpunkten Wirtschaftswachstum zumindest 2004 etwas werden könnte. Auf den ersten Blick passt das mit den positiven Unternehmensdaten nicht zusammen. Auf den zweiten Blick schon. Denn die Konzerne profitierten nicht vom neuen Nachfrageboom in Deutschland oder Europa. Sie kassierten die Erfolge ihrer Sanierungsprogramme aus den Vorjahren. Die Risiken sind aufgedeckt, die unrentablen Geschäfte auf Null abgewertet. Das Großreinemachen schlug sich in teilweise sogar blendenden Ergebnissen nieder.

Nicht bei allen. Der Chemie-und Pharmakonzern Bayer etwa ist schwer in Bedrängnis geraten. Am Ende des jetzt geplanten Generalumbaus unter Führung des neuen Vorstandschefs Werner Wenning wird der Aspirin-Hersteller kaum mehr wiederzuerkennen sein. Oder Daimler-Chrysler: Der deutsch-amerikanische Autokonzern schockte gleich zum Jahresbeginn mit einer deutlichen Gewinnwarnung. Chrysler hat immer noch Probleme wegen der Rabattschlacht auf dem amerikanischen Automarkt. Bernd Pischetsrieder von VW geht es nicht viel besser, auch wenn der Schuh des Massenherstellers aus Wolfsburg eher in Europa drückt. Nur BMW und Porsche ziehen der Konkurrenz davon.

2003 trat auch eine neue Managergeneration an. Die Zeit der Blender und Visionäre ist vorbei. Allein sieben Vorstandssessel wurden bei den führenden 30 deutschen Aktiengesellschaften neu besetzt. Trend: Solide und branchenerfahrene Herren übernahmen die Regie. Gewechselt wurde bei BASF, Eon, RWE oder Lufthansa, aber auch der bekannteste deutsche Mittelständler Robert Bosch tauschte das Führungspersonal aus. Die meisten von Ihnen müssen erst noch beweisen, dass sie aus dem Scherbenhaufen durch Sanierung und Schrumpfung etwas Neues aufbauen können. In diesem Jahr hat sich damit jedenfalls noch keiner von ihnen profiliert.

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