Wirtschaft : Die Aufbruchstimmung erhält einen Dämpfer

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Die zuletzt zuversichtliche Stimmung der deutschen Unternehmen hat einen leichten Dämpfer erhalten. Der Ifo-Index für das Geschäftsklima sank im April auf 90,5 Punkte und damit leicht unter den Stand des Vormonats. Zuvor war er seit November kontinuierlich angestiegen und hatte Wirtschaftsforschern zufolge eine Aufhellung der Lage signalisiert. Verhalten war auch die Wachstumsprognose der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD): In diesem Jahr werde die Wirtschaftsleistung nur um 0,7 Prozent zunehmen, im nächsten Jahr um 2,5 Prozent, erklärte die OECD in Paris. Die jüngsten Konjunkturdaten setzten die deutschen Börsen unter Druck. Bis zum frühen Abend fiel der Dax um rund 2,5 Prozent, der Nemax 50 gab sogar um 3,8 Prozent nach. Grafik: Konjunkturbarometer In den öffentlichen Haushalten zeigen sich bisher keine Anzeichen einer konjunkturellen Wende. Im ersten Quartal 2002 klaffte in den Etats noch eine Milliarden-Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben. Wie aus dem Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums am Donnerstag in Berlin hervorging, lagen die Steuereinnahmen insgesamt - ohne Gemeindesteuern - von Januar bis März um 5,8 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Dabei war in der letzten Steuerschätzung im November 2001 noch mit einem Zuwachs im Gesamtjahr von 4,8 Prozent gerechnet worden. Allein im Bundeshaushalt gingen die Steuereinnahmen im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 6,7 Prozent zurück. Zugleich stiegen die Ausgaben um 3,3 Prozent. In der Bundeskasse ergab sich ein Fehlbetrag von 24,3 Milliarden Euro. Die Steuereinnahmen der Bundesländer lagen von Januar bis März um 5,5 Prozent unter dem Vorjahresergebnis.

Während die Unternehmen in den alten Bundesländern die Lage und auch die Erwartungen leicht skeptischer beurteilten, blieb die Stimmung der Firmen laut Ifo im Osten nahezu unverändert. Die Geschäftserwartungen für die kommenden Monate verbesserten sich sogar geringfügig. "Der Rückgang des Geschäftsklimas im Westen resultiert ausschließlich aus dem ungünstigeren Geschäftsklima im Groß- und Einzelhandel", sagte der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn. Im Baugewerbe und in der Industrie sei der Index stabil geblieben. Deshalb sei das Klima trotz des leichten Dämpfers weiterhin deutlich günstiger als zu Jahresbeginn 2002, sagte Sinn.

Unterdessen sagte die OECD für Deutschland voraus, dass die Wirtschaft um 0,7 Prozent in diesem und um 2,5 Prozent im nächsten Jahr wachsen werde. Damit sei das Potenzial nahezu ausgeschöpft. Gefährdet werde diese Prognose durch zu hohe Tarifabschlüsse in der Metallbranche und im öffentlichen Dienst. Eine spürbare Besserung auf dem Arbeitsmarkt sei weder 2002 noch 2003 in Sicht. Für den Euroraum rechnen die Experten mit 1,3 Prozent Wachstum in diesem und 2,9 Prozent im nächsten Jahr. Für die USA setzten sie ihre Prognose drastisch auf 2,5 Prozent nach bislang 0,7 Prozent in diesem Jahr herauf. Für 2003 sollte das Plus in den USA bei 3,5 Prozent liegen.

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