Wirtschaft : Die Auftragsbücher sind voll

Die Berliner Internetdienstleister stellen wieder Personal ein/Pixelpark will den Umsatz verdoppeln und Gewinn machen

Maurice Shahd

„Mitarbeiter gesucht“, heißt es auf der Webseite der Berliner Multimedia-Agentur Aperto. Projektmanager und Informatiker will die Firma einstellen, die bis vor einem Jahr noch ums Überleben kämpfte. Auch der Konkurrent Mediaworx sucht neue Leute. Und der Moabiter Hardware-Hersteller AVM hat Stellen ausgeschrieben, ebenso der Internetdienstleister Teles. „Wegen des guten Geschäftsverlaufs wollen wir bis Ende des Jahres rund 50 neue Mitarbeiter einstellen", sagt Teles-Chef Sigram Schindler. Wenige Tage vor der Eröffnung der Cebit stellt sich die Berliner Internetindustrie auf Wachstum ein. Den Aufwärtstrend bestätigt der Branchenverband Bitkom: Nach einem Minus im Vorjahr soll der Markt für Informations- und Kommunikationstechnik 2004 um zwei Prozent wachsen.

Ohne größere Blessuren haben AVM und Teles die Krise überstanden, die mit jeweils rund 450 Mitarbeitern zu den großen IT-Unternehmen in der Stadt gehören. Im Gegenteil: Beide Firmen bedienen mit Produkten und Services rund um den Zugang zum Internet einen Markt, der auch in der Flaute beständig gewachsen ist. AVM produziert ISDN-Karten („Fritz-Card“) und DSL-Modems (siehe Lexikon auf Seite 17), mit denen PC-Nutzer die Verbindung zum Internet herstellen können. Auf der Cebit wird AVM mehrere neue Produkte präsentieren. Zum Beispiel ein DSL-Modem, mit dem ein kleines Heimnetzwerk installiert werden kann. Auf Expansionskurs ist auch die im Tec-Dax notierte Teles AG. Deren Tochter Strato vermietet Speicherplatz für Webseiten und vertreibt schnelle Internetzugänge. Im Februar eröffnete Strato in Berlin ein neues Rechenzentrum und ab April wird der Internetdienstleister auch DSL-Zugänge der Deutschen Telekom vermarkten. „Wir wollen in diesem Jahr Umsatz und Gewinn um mindestens 20 Prozent steigern“, sagt Teles-Chef Schindler.

Wesentlich härter hatte die Wirtschaftskrise Multimedia-Dienstleister wie Pixelpark, ID-Media oder Aperto getroffen, die ihr Geld mit der Gestaltung von Webseiten verdienen. Nach dem abrupten Ende der Interneteuphorie 2001 war die Nachfrage buchstäblich zusammengebrochen. „Wer diese Zeit überlebt hat, steht jetzt gut da“, sagt Alexander Felsenberg, Geschäftsführer des Deutschen Multimedia-Verbandes.

Bei Aperto zog die Nachfrage Mitte 2003 wieder kräftig an. „Viele Unternehmen hatten ihre Internetprojekte gestoppt, weil sie unsicher waren, was die neue Technik bringt und in der Flaute das Geld fehlte“, sagt Aperto-Chef Dirk Buddensiek. „Jetzt haben wir wieder volle Auftragsbücher.“ Ähnlich bei der Webagentur Mediaworx, die sich auf die Finanzbranche spezialisiert hat. „Die Kunden schmeißen uns derzeit mit Projekten zu“, sagt Mediaworx-Chef Christian Wegerhoff. Allerdings hätten sich die Ansprüche gewandelt. Vorgabe bei den meisten Aufträgen: Das Online-Projekt muss sich rechnen.

„Eine Firma kann zum Beispiel viel Geld sparen, wenn Bewerbungen nur noch online angenommen werden. Vorher muss es aber in die Webseite investieren“, erläutert Aperto-Chef Buddensiek. Inzwischen seien die Projekte deutlich komplexer geworden, bringen aber auch mehr Geld. Aperto hat schon im vergangenen Jahr seine Mitarbeiterzahl um zehn auf 80 erhöht, Mediaworx plant, die Mitarbeiterzahl bis Jahresende von 60 auf 80 zu erhöhen. Auch ID-Media, die mit Pixelpark zu den Pionieren der Branche gehörten, will sich wieder personell verstärken. 2003 machte die Kreuzberger Agentur mit neun Millionen Euro 50 Prozent mehr Umsatz als im Jahr davor. Damit ist sie zwar immer noch weit vom Rekordjahr 2000 (40 Millionen Euro) entfernt, aber es zeigt: „Das Internet lebt, obwohl die New Economy längst tot ist“, sagt ID-Media-Chef Bernd Kolb. Dass die Multimedia-Agenturen mehr denn je gebraucht werden, zeige der Online-Stellenmarkt der Bundesanstalt für Arbeit. „Die Anwendungen sind eher simpel“, sagt Kolb. Trotzdem habe es die Unternehmensberatung Accenture nicht geschafft, das System nach dem Start einwandfrei zum Laufen zu bringen.

Selbst Pixelpark versprüht wieder Optimismus. Das neue Management hat das Unternehmen stärker auf technische IT-Dienstleistungen ausgerichtet. Wie in der Vergangenheit ist Pixelpark nicht gerade bescheiden. Der Umsatz soll sich im laufenden Jahr auf 28 Millionen Euro verdoppeln, sagt ein Sprecher. Und: Nach etlichen Ankündigungen will Pixelpark 2004 auch endlich Gewinn machen.

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