Wirtschaft : Die Autokanzlerin

Angela Merkel sagt den deutschen Herstellern zum IAA-Auftakt Unterstützung in der CO2-Debatte zu

Frankfurt am Main - Im Streit über die Klimaschutzvorgaben der EU hat Bundeskanzlerin Angela Merkel den deutschen Automobilbauern Unterstützung zugesagt. „Wenn es darum geht, dass wir bis 2012 auf 120 Gramm CO2 pro Kilometer im Durchschnitt kommen wollen, dann hat die deutsche Automobilindustrie meine Unterstützung, dass dies auf die Segmente fair verteilt werden muss“, sagte sie bei der Eröffnung der weltgrößten Autoschau IAA (13. bis 23. September) in Frankfurt am Main.

Der Chef des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, begrüßte Merkels Position. „Wenn der Kleinstwagen mit dem höchsten Kraftstoffverbrauch den gleichen CO2-Wert hat wie das obere Mittelklassefahrzeug mit dem besten Abschneiden seiner Klasse, dann dürfen wir nicht beide gleich behandeln“, sagte er.

Die deutschen Hersteller verlangen nach Gewicht gestaffelte Grenzwerte, weil ihre schweren Autos besonders viel Kohlendioxid (CO2) ausstoßen. Wegen dieser Haltung war es im europäischen Herstellerverband ACEA zum Streit gekommen. Massenhersteller wie Peugeot, Renault und Fiat haben vor allem kleinere und sparsamere Autos im Angebot und könnten daher mit den vorgeschlagenen Grenzwerten leben. Die Meinungsverschiedenheit hatten die Hersteller aber beigelegt und am Mittwoch geschlossen mehr Zeit für die Vorbereitung auf geplante CO2-Vorgaben verlangt. Die Branche sieht sich frühestens ab 2015 in der Lage, den Grenzwert für den Kohlendioxid-Ausstoß einzuhalten.

Ein selbst gestecktes Ziel zur CO2-Verringerung auf 140 Gramm pro Kilometer bis 2008 werden die Autobauer verfehlen. Das hatte die EU-Kommission auf den Plan gerufen. Sie will Herstellern vorschreiben, den CO2-Ausstoß von in Europa zugelassenen Neuwagen bis 2012 auf 130 Gramm je Kilometer zu senken. Zehn Gramm müssen durch den Einsatz von Biosprit zusätzlich eingespart werden. 2006 lag der Ausstoß in Deutschland durchschnittlich über 160 Gramm.

Der Umweltausschuss des EU-Parlaments hatte am Mittwoch beschlossen, dass die CO2-Grenzwerte wie von der Kommission gefordert ab 2012 gelten sollen. Im November soll das Plenum des EU-Parlaments über diese Empfehlung abstimmen. Anfang 2008 will die EU einen Richtlinienentwurf zu den CO2Grenzwerten vorlegen, über den die Mitgliedstaaten und das EU-Parlament dann abstimmen sollen.

CDU-Chefin Merkel lobte bei ihrem IAA-Rundgang am Donnerstag zwar die Anstrengungen der Autoindustrie, in Sachen Klimaschutz aufzuholen. Doch manchen Seitenhieb auf die Konzerne, denen die internationale Konkurrenz jahrelang beim Umweltschutz davongefahren war, konnte sich die ehemalige Bundesumweltministerin nicht verkneifen. „Wenn man sich ein paar Jahre nicht gekümmert hat, kann man es nicht von einem auf den anderen Tag aufholen“, sagte Merkel am Audi-Stand, wo Vorstandschef Rupert Stadler die neue Hybridtechnik der Ingolstädter vorführte. Über ihre persönlichen Autovorlieben sagte die Kanzlerin: „Mein Verhältnis zum Automobil ist, dass es zweckmäßig sein muss und auf der anderen Seite auch schön.“

Umweltschützer von Greenpeace verwandelten zum IAA-Start drei deutsche Autos mit rosa Farbe, Nasen, Ohren und Ringelschwänzen in „Klimaschweine“. Es traf Modelle von Audi, BMW und VW. Wolfgang Lohbeck von Greenpeace kritisierte, die Autoindustrie setze weiterhin auf Leistungssteigerung, statt die Trendwende zu sparsamen und klimafreundlichen Fahrzeugen einzuleiten.

Die weltgrößte Automesse steht unter dem Motto: „Sehen, was morgen bewegt“. Der Branchenverband VDA hofft auf deutlich mehr als 900 000 Besucher. Bei der Automesse vor zwei Jahren waren etwa 940 000 Autofans nach Frankfurt gekommen. Messe-Highlights sind ein Cityflitzer von Volkswagen, der emissionsarme Kleinstwagen IQ von Toyota und der Smart Micro-Hybrid von Mercedes-Benz. Audi zeigt seinen neuen Mittelklassewagen A 4. Tsp

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