Wirtschaft : Die Automaten werden auf Euro getrimmt

Dagmar Rosenfeld

"Der Countdown läuft - Der Euro kommt". Bis zum Jahreswechsel beleuchtet der Tagesspiegel jeweils am Sonnabend mit Berichten, Reportagen, Interviews und Standpunkten die verschiedenen Aspekte der Euro-Bargeldeinführung.

Münzstück in die Hand nehmen, Geldschlitz fixieren, Münze in den Automaten einwerfen, warten. Ein kurzes Klacken ertönt, und das Geld purzelt unten heraus. Nächste Münze einschmeißen, wieder warten und wieder rasselt das Münzstück durch. Seit Stunden ist Monika Heermant damit beschäftigt, einen Spielautomaten mit Geld zu füttern. Dass der Automat die Münzen nicht annimmt, stört sie dabei nicht. Ganz im Gegenteil: Das Durchfallen der Geldstücke ist erwünscht. Schließlich spielt Frau Heermant nicht, weil sie auf den ganz großen Gewinn hofft, sondern weil es ihr Job ist. Sie arbeitet bei dem Berliner Spielautomatenhersteller Bally Wulff in der Abteilung für Entwicklung und testet die Spielgeräte auf ihre Eurotauglichkeit.

Seit Anfang September ist die neue Währung bei Bally Wulff im Umlauf und seitdem schmeißt Monika Heermant die Euromünzen in Automatenschlitze - fünf Tage die Woche, acht Stunden täglich. Keine besonders abwechslungsreiche Tätigkeit, gibt Uwe Schlufta, Eurobeauftragter bei Bally Wulff, zu. "Aber für den reibungslosen Ablauf der Umstellung unserer 40 000 Automaten ist dieses Testverfahren unerlässlich."

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Ted: Der Euro - mehr Vor- oder mehr Nachteile? Ohne die Arbeit von Menschen wie Monika Heermant würde in den ersten Januartagen 2002 in Deutschland wahrscheinlich das Chaos ausbrechen. Denn dann sollen 2,4 Millionen Automaten den Euro schlucken. Allein 830 000 Zigarettenautomaten, 500 000 Unterhaltungsautomaten und 365 000 Serviceautomaten müssen fit für die neue Währung gemacht werden. Der Bundesverband Deutscher Tabakwaren-Großhändler und Automatenaufsteller (BDTA) beziffert die Umstellungskosten insgesamt auf rund zwei Milliarden Mark. Wie viele Automaten allerdings zum 1. Januar tatsächlich eurofähig sein werden, ist nicht vorherzusagen, erklärt der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Automatenunternehmer Harro Bunke. Zwar können die modernen, elektronischen Automaten Euro und Mark parallel annehmen, aber deren Anteil schätzt Bunke auf maximal 20 Prozent. Den älteren mechanischen Modellen muss ein neuer Münzprüfer eingesetzt werden und die ganz alten Geräte werden auf dem Schrottplatz landen.

Auch Uwe Schlufta ist sich nicht sicher, ob alle Aufsteller von Bally Wulff-Spielautomaten ihre Geräte rechtzeitig auf den Euro umgestellt bekommen. "Wir bieten unseren Kunden ein Euro-Umrüst-Kit an", erklärt Schlufta. Darin sind eine neue Software und Bauteile für die Münzannahme enthalten. Allerdings hätten bisher nur 70 Prozent der Spielautomatenaufsteller das Umrüst-Kit bestellt. "So wie es aussieht, werden unsere Techniker im neuen Jahr massig Überstunden schieben müssen", prophezeit der Euro-Beauftragte von Bally Wulff. Und das wird die Umstellungs-Nachzügler ein ganze Menge kosten.

Allerdings zahlen die Spielautomatenaufsteller bei der Euro-Umstellung auf jeden Fall drauf, egal wie rechtzeitig sie ihre Geräte umrüsten. "Den bei einem Großteil der Spielautomaten werden die Drehscheiben weiterhin Markbeträge anzeigen", sagt Schlufta. Ein Aufkleber an der Automatenfront informiert dann über den Umrechnungskurs: Ein Euro wird auf zwei Mark aufgerundet. Für den Spieler bedeutet das pro Euro 0,4 Pfennige Gewinn. Bei höheren Gewinnbeträgen kommen da schnell ein paar Mark zusammen.

Neben den Zockern können sich auch die Raucher auf die neue Währung freuen: Sie werden von Januar an am Zigarettenautomaten pro Packung 13 Pfennige weniger zahlen müssen. Weil das Päckchen statt sechs Mark nicht den entsprechenden Preis von 3,07 Euro kosten kann, müssen die Automatenaufsteller auf die glatte Summe von drei Euro abrunden. Bei den 21 Zigaretten pro Packung soll es vorläufig bleiben.

Ebenso wird für die Kunden der Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG) das Bus- und Bahnfahren günstiger - wenn auch nur um wenige Pfennige. "Wir rechnen die Fahrkartenpreise in Euro um und glätten dann auf volle zehn Cent nach unten", sagt Angelika Mattstedt, Euro-Projektleiterin. Dank der neuen Währung werden bei der BVG nicht nur die Fahrkarten günstiger, sondern auch die Automaten moderner. Die Berliner Verkehrsgesellschaft nutzt die Euroeinführung, um einen Teil der alten Automatengeneration gegen Hightech-Geräte auszutauschen: Bis Anfang Dezember sollen 532 neue Touchscreen-Automaten Berlins U-Bahnstationen zieren. Die restlichen der insgesamt 1300 BVG-Automaten werden dann zwischen dem 25. und 31. Dezember auf die neue Währung umgestellt. "Täglich werden 150 Techiker unterwegs sein, damit unsere Automaten ab dem 1. Januar nur noch den Euro schlucken", sagt Euro-Expertin Mattstedt. Deshalb sind auch in den letzten Dezembertagen 2001 an den U-Bahnhöfen 400 Sonderverkäufer mit Bauchladen im Einsatz. Bei den BVG-Mitarbeitern können Fahrgäste ein Ticket erwerben, falls die vorhandenen Automaten schon auf den Euro umgestellt sein sollten.

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