Wirtschaft : Die Bahn baut weiter Stellen ab

20 000 Arbeitsplätze in diesem Jahr / Doch Aufbau in den kundennahen Bereichen BERLIN (chi).Die Deutsche Bahn wird in diesem Jahr voraussichtlich weitere 20 000 Stellen abbauen.Der Betrieb, der nach der Zusammenlegung von Bundes- und Reichsbahn Ende 1994 noch über 300 000 Beschäftigte zählte, wird damit Ende dieses Jahres im reinen Schienenbetrieb, ohne Tochtergesellschaften, noch 220 000 bis 225 000 Menschen beschäftigen.Personalvorstand Horst Föhr verwies am Mittwoch bei der Vorlage des "Personal- und Sozialberichts 1996" allerdings darauf, daß der Abbau sozialverträglich durch natürliche Fluktuation oder Vorruhestandsregelungen erfolgen werde.Betriebsbedingte Kündigungen werde es entsprechend der Vereinbarung mit den Gewerkschaften bis Ende 1998 nicht geben.Eine Prognose für die kommenden Jahre wollte er noch nicht abgeben: Die Entwicklung werde davon abhängen, ob es gelingt, mehr Verkehr auf die Schiene zu verlagern, und der Ausbau der kundennahen Dienstleistungen vorangetrieben werden kann.Im Diensteistungsbereich seien im vergangenen Jahr allein 3700 neue Arbeitsplätze entstanden. Föhr betonte, daß an der "Verbesserung der Kostenstrukturen" kein Weg vorbeiführe.1996 konnte die Produktivität pro Mitarbeiter immerhin um 18,6 Prozent gesteigert werden, der Anteil der Personalkosten - der bei der Bahn traditionell sehr hoch ist - sank von 60 auf 53,8 Prozent.Gleichzeitig aber gebe die Bahn inzwischen 1,2 Mrd.DM pro Jahr für Aus- und Weiterbildung aus.In Sachen Service werde "konsequent umgesteuert", sagte Föhr.So wurden etwa im Nahverkehr kleinere "Teams" gebildet, in denen die Mitarbeiter selbständig agierten.Auch bei der Entlohnung der Führungskräfte gibt es nun eine "erfolgsabhängige Komponente" - in diesem Jahr ist es die Pünktlichkeit der Züge.Die Maßnahmen zeigten Erfolg: Der "Gesundheitsstand" habe sich von 92,6 auf 93,5 Prozent verbessert.Die Umstrukturierung zeigt sich auch bei den Lehrstellen: Die Bahn bietet in diesem Jahr 4600 Ausbildungsplätze an, davon 70 Prozent in den kaufmännischen und den Service-Bereichen.Bewerber müssen sich allerdings sputen: Es gibt nur noch 60 freie Plätze. Mittlerweile sind bei der Bahn jährlich rund 60 000 Beschäftigte von Versetzungen betroffen.Um Anpassungsprobleme abzufedern, wurde das "Dienstleistungszentrum Arbeit" gegründet, das derzeit etwa 5000 Beschäftige zählt, die teils umgeschult, teils für projektbezogene Arbeiten "ausgeliehen" werden.Als Erfolg verbuchte Föhr, daß die Verlagerung von Ost- nach Westdeutschland, wo es Engpässe gibt, mittlerweile besser klappe.1996 entschieden sich gut 2000 Mitarbeiter für den Wechsel, im Jahr zuvor waren es 900. Die Gewerkschaft der Eisenbahner (GdED) bezeichnete dagegen am Mittwoch den Stellenabbau bei der Bahn als "überzogen" und verwies auf 9 Mill.Überstunden, die zunächst abgebaut werden sollten.Zugleich forderte sie, daß der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis zum Jahr 2003 verlängert werde.

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