Wirtschaft : Die Bahn braucht mehr Transparenz

ROLF OBERTREIS

Die Bahn ist ein Verkehrsunternehmen - das ist inzwischen für jedermann erkennbar.Die Züge, das Schienennetz, die Bahnhöfe - das ist ihr Geschäft.Dort sollte sie auch ihr Geld verdienen.Und darüber sollte das Ergebnis, das jedes Jahr ausgewiesen wird, klar Auskunft geben.Zumal in Zeiten, in denen das Unternehmen in erheblichen Schwierigkeiten steckt und in denen Zweifel über seine wirtschaftliche Situation aufgekommen sind.

Statt klare Zahlen auf den Tisch zu legen, verstärkt die Bahn die Verwirrung.Denn zum Kerngeschäft zählen die Bahnoberen neuerdings auch das Management ihres reichhaltigen Immobilienbesitzes: die Vermietung, die Verpachtung und der Verkauf von Häusern und Grundstücken.Angesichts der stattlichen Erträge von 800 Millionen DM aus diesem Bereich im vergangenen Jahr möchte die Bahn darauf nicht verzichten.Zurecht.Aber wenn all das mit Erträgen aus dem Personen- und Güterverkehr verrechnet wird, ohne daß klar wird, wie das passiert, ist das eigenartig.

Ist die Bahn auf ihrem eigentlichen Terrain überhaupt profitabel, fahren die Züge mit Gewinn oder mit Verlust? Sind die Immobilienerträge eine unverzichtbare Subvention für das rollende Geschäft? Fragen, die die Bahn erst in einem Jahr beantworten will: wenn die fünf neu gegründeten Tochtergesellschaften, die seit Jahresanfang unter der Holding agieren, eigene Abschlüsse vorlegen.

Eine Informationsoffensive würde dem Unternehmen weiterhelfen als die anhaltende Mauschelei.Der Bund als Eigentümer und der neue Aufsichtsratschef Dieter Vogel sollten ein Machtwort sprechen.

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