Wirtschaft : Die Bahn erhöht die Preise im Nahverkehr

Konzern verweist auf höhere Kosten / Verkehrsverbünde nicht betroffen / Bundesländer kündigen Widerstand an

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Berlin (hop/brö). Bahnfahren in Regionalzügen wird bald teurer. Zum Fahrplanwechsel am 14. Dezember will DB Regio, die Nahverkehrstochter der Bahn, ihre Preise um durchschnittlich 4,1 Prozent erhöhen. Einen entsprechenden Antrag stellt der Konzern am Donnerstag beim Regierungspräsidium Darmstadt, der zuständigen Genehmigungsbehörde. Mehrere Bundesländer sind indes nicht einverstanden mit dem Plan der Bahn. DBRegio-Chef Ulrich Homburg begründete ihn mit gestiegenen Kosten. „Die Maßnahme ist unumgänglich.“ Die Bahn rechnet auf Basis der derzeitigen Fahrgelderlöse mit zusätzlichen Einnahmen von 40 Millionen Euro.

Die Preiserhöhung der Bahn soll in Interregioexpressen, Regionalexpressen, Regionalbahnen und S-Bahnen gelten. Auch Zeitkarten und Schülertickets werden teurer. Ausgenommen sind Fahrten in Tarifverbünden wie dem Regionalverkehr Berlin-Brandenburg. Diese Verbünde öffentlicher Transportunternehmen legen eigene Tarife fest. Mehr als die Hälfte der Fahrgäste im Nahverkehr sind innerhalb von Verbünden unterwegs. Homburg verwies darauf, dass die Bahn im Vergleich zu den Verbünden bei ihren Tarifen zurückgefallen sei. Dort seien die Preise in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt um etwa 3,7 Prozent gestiegen, während es bei der Bahn lediglich 1,9 Prozent pro Jahr gewesen seien. 2002 hatte die Bahn auf Erhöhungen ganz verzichtet. Das könne sich der Konzern nicht mehr leisten, sagte Homburg.

Zusammen mit den höheren Preisen will die Bahn verbilligte Nahverkehrsfahrkarten in Ergänzung zum Schönes-Wochenende-Ticket testen, sagte Homburg. In Bayern werde es das Länderticket, das bislang nur wochentags galt, auch fürs Wochenende geben. Der Preis soll bei 22 Euro liegen. In Bayern, Niedersachsen und Bremen sollen die Ländertickets noch durch Single-Tickets für Einzelreisende für 15 Euro ergänzt werden. Sollte die Resonanz bei den Kunden positiv sein, werde es die Tickets bald bundesweit geben, hieß es.

Die Tariferhöhungen müssen noch von den Bundesländern genehmigt werden. Sachsen, Bayern und Baden-Württemberg lehnte den Schritt ab. „Eine Preiserhöhung zur jetzigen Zeit, wo die Bürger ohnehin Angst vor höheren Kosten für den Weg zur Arbeit haben, ist unglücklich“, sagte der sächsische Verkehrsminister Martin Gillo dem Tagesspiegel. „Die Bahn sollte sich lieber um neue Kunden bemühen und die Nahverkehrszüge attraktiver machen. Ohnehin könnte sie noch Jahre ohne Preiserhöhung auskommen.“ Der baden-württembergische Verkehrs-Staatssekretär Stefan Mappus (CDU) erklärte, „4,1 Prozent sind zu hoch und passen nicht in die derzeitige wirtschaftliche Situation. Das konterkariert das Ziel, mehr Fahrgäste auf die Schiene zu bringen.“ Eine Sprecherin des bayerischen Verkehrsministeriums sagte, „mit dem Plan sind wir nicht einverstanden“. Für eine Einigung haben Länder und Bahn nun sechs Wochen Zeit.

Der Grünen-Verkehrsexperte Albert Schmidt zeigte Verständnis für die Bahn. Schließlich habe sie die Preise im Nahverkehr im vergangenen Jahr nicht angehoben. Kritik kam vom Fahrgastverband Pro Bahn. Ein Sprecher sagte: „Jetzt die Tarife so bombastisch zu erhöhen, passt überhaupt nicht in die Landschaft.“ Er befürchte, dass viele Pendler nun von der Bahn aufs Auto umsteigen werden.

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