Wirtschaft : Die Bahn fährt mit volleren Zügen Die Auslastung im Fernverkehr ist gestiegen

Bernd Hops

Berlin - Die Züge der Deutschen Bahn im Fernverkehr sind in diesem Jahr deutlich besser ausgelastet als 2003. Im vergangenen August habe die Quote – auch dank der Sonderpreisaktion im Sommer – bei 43,2 Prozent und im Juli bei 42,9 Prozent gelegen, sagte ein Bahnsprecher dem Tagesspiegel am Sonntag. Im vergangenen Jahr hätten die entsprechenden Zahlen bei 40,2 und 39,9 Prozent gelegen. Auch zukünftig werde es Sonderaktionen der Bahn geben, sagte Personenverkehrsvorstand Karl-Friedrich Rausch dieser Zeitung. Mit Blick auf den kommenden Herbst fügte er hinzu, die Bahn habe aus dem Verspätungschaos im Herbst 2003 gelernt und sich gut vorbereitet. „Das, was im letzten Jahr passiert ist, haben wir sehr ernst genommen.“

Der Fernverkehr ist seit der gescheiterten Preisreform im vergangenen Jahr und durch die zunehmende Konkurrenz der Billigflieger einer der größten Verlustbringer der Bahn. Hier werden nach den bisherigen Erwartungen der Bahn wahrscheinlich erst im Laufe des kommenden Jahres wieder schwarze Zahlen geschrieben. Mit Sonderaktionen will der Konzern das Geschäft auf Fernstrecken ankurbeln. Ziel ist langfristig eine durchschnittliche Auslastung der Züge von 50 Prozent. In diesem Jahr sei die Verbesserung gegenüber 2003, als die Auslastung im Schnitt bei knapp 40 Prozent lag, jedenfalls kontinuierlich gewachsen, sagte der Bahnsprecher. Im Januar hatte die Auslastungsquote mit 36,4 Prozent lediglich 0,6 Prozentpunkte höher gelegen als im Januar 2003 – im Juli und August waren es jeweils drei Prozentpunkte.

Außerdem hat die Bahn feststellen können, dass sich nicht nur Sparmaßnahmen für sie auszahlen, sondern auch ein besserer Service. Im vergangenen Jahr sollten die Speisewagen aus Kostengründen eigentlich aufgegeben werden. Nach Kundenprotesten wurde die Entscheidung revidiert. Das hat sich offenbar gelohnt. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichne man im Gastronomiebereich bisher einen Umsatzanstieg von rund 18 Prozent, sagte der Bahnsprecher dem Tagesspiegel.

Für großen Unmut unter den Fahrgästen hatten im vergangenen Jahr auch massive Verspätungen und Zugausfälle im Herbst gesorgt. Die Bahn war mit dem Laubfall und dem daraus entstehenden Schmierfilm auf den Schienen kaum zurechtgekommen. „Das Problem war zwar nicht neu, aber war noch nie so stark aufgetreten wie 2003“, sagte Bahnvorstand Rausch. Jetzt habe der Konzern in mehr und besseres Zugmaterial investiert und halte zusätzliche Lokführer für den Notfall bereit. Außerdem habe die Bahn einen Schmierfilmkataster angelegt, um so Problemregionen direkt zu identifizieren. In die Vorbereitungen seien fast 50 Millionen Euro geflossen, sagte Personenverkehrsvorstand Rausch.

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