Wirtschaft : Die Bahn fährt noch mit Kohle

Carsten Brönstrup
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Ausrollen lassen. Bei der Bahn lernen Lokführer energiesparendes Fahren. Foto: ddpddp

Bei acht von zehn Reisen nutzen die Deutschen das Auto oder das Flugzeug – obwohl die Eisenbahn als das umweltfreundlichste aller Verkehrsmittel gilt. Das hat die Deutsche Bahn in zahlreichen Studien ausrechnen lassen. So produziert ein Reisender auf einer Fahrt von Hamburg nach Frankfurt am Main mit dem Auto viermal so viel und mit dem Flugzeug fünfmal so viel Kohlendioxid wie bei einer Fahrt mit dem Zug.

Trotzdem hat die Bahn noch viel Sparpotenzial. „Sie muss beim Strom viel mehr auf regenerative Quellen setzen“, sagt Wolfram Knörr vom Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung. Im Jahr verbraucht der Konzern so viel Strom wie der gesamte Großraum Berlin – oder doppelt so viel wie der Chemiekonzern BASF benötigt. Fast die Hälfte ihres Stroms bezieht die Bahn aber heute aus Kohle, knapp ein Zehntel aus Erdgas und nur ein Fünftel aus erneuerbaren Quellen. Die Vision des Staatskonzerns ist kühn: Bis 2050, in bereits 40 Jahren also, soll der Bahnreisende auf der Schiene CO2-frei unterwegs sein.

Die meiste Energie lässt sich durch moderne Fahrzeuge sparen. Effiziente Technik, leichte und windschnittige Bauweise und vor allem die Möglichkeit, überflüssige Energie beim Bremsen in das Netz zurückzuleiten, haben die Züge in den vergangenen Jahren klimafreundlicher gemacht. Noch längst fahren aber nicht alle Lokomotiven elektrisch – und bis das möglich ist, dürfte noch eine Weile vergehen. Schließlich ist der Bau von Oberleitungen ein teures Unterfangen, zudem muss die Bahn ihren Fuhrpark umstellen. Angesichts der momentanen Finanzlage haben Vorstand und Politik andere Prioritäten.

Die Infrastruktur spielt gleichwohl eine große Rolle für den Klimaschutz. „Vor allem Güterzüge müssen häufig bremsen, weil andere Züge Vorfahrt haben – das liegt an dem unzulänglichen Gleisnetz mit zu geringen Kapazitäten“, sagt Heidi Tischmann, Bahn-Expertin beim Verkehrsclub Deutschland.

Einen Spottpreis kostet es dagegen, den Lokführern eine energiesparende Fahrweise beizubringen. Das macht die Deutsche Bahn beispielsweise auf Fahrsimulatoren. Auf einer einzigen Fahrt zwischen Hamburg und München kann ein Zug damit so viel Strom sparen, wie eine vierköpfige Familie in einem ganzen Jahr verbraucht. Etwa indem er bereits das Gas wegnimmt, bevor er eine Bergkuppe erreicht hat und anschließend den Schwung der Talfahrt nutzt. Rollt ein ICE erst einmal, ist er schwer zu stoppen – wegen des geringen Rollwiderstands kann er abgeschaltet mehr als 50 Kilometer fahren, ohne nennenswert an Tempo zu verlieren. Carsten Brönstrup

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