Wirtschaft : Die Bahn gewinnt Kunden zurück

BERLIN (dw/dr).Die Bahn will sich bessern - und schon sieht Vorstands-Chef Johannes Ludewig nach dem Unglücks- und Pannenjahr 1998 Signale für eine "Trendwende" im Personenverkehr: Im ersten Quartal 1999 sei die Zahl der Fahrgäste im Nahverkehr um 20 Mill.gestiegen, sagte der Bahn-Chef am Dienstag in Berlin.Bis 2003 müsse die Bahn in die Lage versetzt werden, ohne Zuschüsse des Bundes auszukommen.

"Es wird wieder mehr Bahn gefahren", konnte Ludewig bei der Bilanzvorlage am Dienstag in Berlin verkünden: Die Verkehrsleistung nahm im ersten Quartal 1999 um gut zehn Prozent zu, im Nahverkehr wurden gut 20 Mill.Tickets mehr verkauft als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.Die Sparte Reise & Touristik verkaufte rund eine Mill.Fahrkarten mehr als ein Jahr zuvor und konnte so ihre Verkehrsleistung um fünf Prozent steigern.Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG nahm diese Zahlen als "klare positive Trendwende im Personenverkehr".Der Konzern gehe davon aus, auch 1999 Umsatz und Ertrag steigern zu können "und am Markt spürbar voranzukommen".

Sorge bereite nun noch der Güterverkehr, der vor allem unter dem konjunkturellen Einbruch in den Branchen Stahl und Chemie zu leiden habe.Der Umsatzrückgang betrage rund sechs Prozent, eine langsame Erholung sei im zweiten Halbjahr möglich.Den Umsatzausfall in Folge der Zugkatastrophe von Eschede bezifferte Finanzvorstand Diethelm Sack auf 100 bis 125 Mill.DM.Die Verkehrsleistung des Unternehmens sei dabei um rund 0,4 Prozent zurückgegangen.Insgesamt sei das Ergebnis des Konzerns vor Steuern 1998 um 9,7 Prozent auf 394 Mill.DM gestiegen.Das Betriebsergebnis (nach Zinsen) fiel mit 334 Mill.DM um 200 Mill.niedriger aus als im Vorjahr.Die Zahl der Beschäftigten wurde um 5,9 Prozent von 268 000 auf rund 252 000 reduziert."Das abgelaufene Geschäftsjahr brachte für die Bahn äußerst schwierige Umstäne", bilanzierte Sack: "Trotzdem ist es gelungen, ein positives Ergebnis zu erwirtschaften."

Von der Presse veröffentlichte Zahlen zum Schuldenstand der Bahn kritisierte Ludewig als "völlig irreführend".Die zinspflichtigen Finanzschulden des Konzerns machten mit fünf Mrd.DM nur 7,3 Prozent der Bilanzsumme aus.Dies dürfe man nicht in einen Topf werfen mit zinslosen Darlehen des Bundes in Höhe von rund 16 Mrd.DM."Vor dem Hintergrund einer Investitionstätigkeit von jährlich 15 Mrd.DM ist dieses Verhältnis in jeder Hinsicht akzeptabel und, wie ich meine, auch respektabel."

Nach den Erfolgen in der Kostenreduktion - die Bahn verringerte die Zuschüsse des Bundes im vergangenen Jahr um 800 Mill.DM auf 3,8 Mrd.DM - stehe nun eine "Markt- und Ertragsoffensive" an, so Ludewig.Am vergangenen Wochenende sei der Startschuß zum "Aktionsprogramm 2003" gegeben worden.Ziel sei es, die Bahn innerhalb der kommenden dreieinhalb Jahre von den Zuschüssen des Bundes unabhängig zu machen."Die Bahn muß auf eigenen Füßen stehen, wenn die Förderung des Bundes ausläuft", sagte Ludewig.Dem Programm mit seinen bislang 19 Projekten werde "höchste Priorität" eingeräumt.

Zum umstrittenen Projekt einer Magnetschwebebahn zwischen Berlin und Hamburg sagte Ludewig, die Bahn bleibe bei ihrer Position: Der Transrapid dürfe sich für den Betreiber Bahn nicht zu einem Verlustbringer entwickeln.Bisher lägen aber "noch keine prüffähigen Unterlagen für eine abschließende Beurteilung vor".

Der Aufsichtsrat der Bahn hatte sich am Dienstag mit den Planungen für den Transrapid beschäftigt.Den Bericht über das drohende finanzielle Desaster, über den der Tagesspiegel berichtete, nahm das Gremium zum Anlaß, vom Vorstand neue Zahlen zur Wirtschaftlichkeit der Magnetbahnstrecke Berlin - Hamburg zu fordern.Sie sollen auf der nächsten Aufsichratssitzung am 17.Juli vorliegen und als Grundlage für eine Entscheidung dienen.Es sei unabdingbar, daß die Magnetschnellbahn mindestens kostendeckend arbeitet, betonte der Bundestagsabgeordnete von Bündnis90 / Die Grünen, Albert Schmidt, der auch Mitglied des Aufsichtsrates der Bahn ist.

Unterdessen wurde bekannt, daß der Transrapid in den USA kurz vor dem internationale Durchbruch stehe.Die Verhandlungen über den Bau einer rund 110 Kilometer langen Strecke zwischen Orlando und Port Canaveral im Bundesstaat Florida seien in der entscheidenden Phase, hieß es aus unterrichteten Kreisen.Danach hat Transrapid eine verbindliche Absichtserklärung abgegeben, das Magnetbahn-System zu liefern.Der Auftrag hat einen geschätzten Wert von einer Mrd.Dollar.

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