Wirtschaft : Die Bahn investiert in die Fußball-WM

Konzern sponsert mit Geld und Fantickets

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Berlin Als der weinrote Nostalgiezug, Baujahr 1952, in den Ostbahnhof einfuhr, wurden bei Bahnchef Hartmut Mehdorn große Gefühle wach. Mit dem Zug sind einst die „Helden von Bern“ nach ihrem Sieg im WM-Finale heimgekehrt, deshalb steht auf einem Waggon in großen Buchstaben „Weltmeister 1954“. Prompt kündigte Mehdorn an: „Wenn wir die WM 2006 gewinnen, dann werden wir einen neuen Zug beschriften.“

Die Bahn ist seit Dienstag Sponsor der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland. Nach Informationen des Tagesspiegels zahlt das Unternehmen dafür etwas mehr als sechs Millionen Euro und somit nur „halb so viel“ wie andere WM-Sponsoren, wie es intern heißt. Offiziell wollte niemand die Zahl bestätigen. „Wir haben uns zusammengerauft“, sagte Mehdorn in Berlin. „Bahn und Fußball – das gehört zusammen.“ Seit zwei Jahren haben das WM-Organisationskomitee (OK) und die Bahn verhandelt, „jetzt haben wir alle Förderer unter Dach und Fach“, sagte OK-Chef Franz Beckenbauer. Die Bahn gehört mit fünf anderen Unternehmen zum Pool der Nationalen Förderer (siehe Kasten unten).

Neben den Geldwerten wird die Bahn einen Großteil an Sachleistungen einbringen. Außerdem werden die Bahnhöfe in den zwölf WM-Städten für 50 Millionen Euro „aufgehübscht“, sagte Mehdorn. So soll in jedem Hauptbahnhof ein „Welcome Desk“ eingerichtet werden, an denen sich die drei Millionen WM-Touristen erkundigen können. Es werde einen auf den Spielplan abgestimmten Fahrplan geben und 150 Sonderzüge. Genaue Details könnten allerdings erst in einem Jahr nach der WM-Auslosung bekannt gegeben werden, sagte Mehdorn. Neben Angeboten für Journalisten, die sechs Wochen kostenlos reisen dürfen, werden Pauschalpakete für Fans noch erarbeitet.

Zur Begrüßung hatte OK-Chef Beckenbauer zu Mehdorn gesagt: „ Fragen Sie mich bitte nicht, wann ich zuletzt Bahn gefahren bin.“ Der Fahrgastverband Pro Bahn sieht auch deshalb im WM-Engagement eine „große Chance für die Bahn, das Image zu verbessern und populärer zu werden“, wie der Vorsitzende Karl-Peter Naumann sagte. Allerdings dürften „die normalen Fahrgäste nicht gestört werden. Sie müssen getrennt werden von Alkohol und Fans.“ Naumann forderte auch „mehr Service“. So sollte die Bahn ihre Durchsagen in der Landessprache der antretenden Mannschaften machen. Ein gutes Vorbild seien die Eurocitys zwischen Deutschland und Dänemark. In denen würden die Ansagen auf englisch, deutsch und dänisch zu hören sein.

Die Verhandlungen haben sich so lange hingezogen, weil die Bahn ihre Logistiksparte Stinnes und Schenker ins Vertragswerk einbeziehen wollte. Für den Transport des WM-Globus etwa, der durch Deutschland reist und während des Turniers wieder in Berlin aufgebaut wird, war bisher die Posttochter DHL zuständig. Das Vertragswerk wurde jetzt geändert – ab Februar transportiert Stinnes und Schenker den Globus. AG/ide

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