Wirtschaft : Die Bahn legt im Güterverkehr zu

Gute Entwicklung in diesem Jahr / Milliardeninvestitionen in neue Waggons und Loks geplant

Bernd Hops

Berlin - Die Deutsche Bahn wächst weiter im Güterverkehr. Der Start in das Jahr 2006 sei „sowohl für die Schiene als auch für die Logistik sehr erfolgreich“ gewesen, sagte Norbert Bensel, der Logistikvorstand des Konzerns, in Berlin. Er widersprach Kritikern, die eine Vernachlässigung des Schienengüterverkehrs gegenüber der Logistik monieren. „Daran haben wir genauso viel Spaß wie an der Kontraktlogistik“, sagte Bensel. Die Kontraktlogistik wird derzeit in der Branche als besonders interessant angesehen. Dabei vergibt ein Unternehmen im Extremfall an einen Logistiker den gesamten Transport von der Produktion bis zum Händler. In den nächsten fünf Jahren seien mindestens 1,2 Milliarden Euro an Investitionen vor allem in moderne Güterwagen und Loks geplant.

Wo künftig der Hauptsitz der Logistik sein wird, wollte Bensel nicht sagen. Das werde noch geprüft, sagte Bensel. Bisher sitzt in Berlin die Zentrale. Teile der Verwaltung sitzen jedoch im Ruhrgebiet und in Mainz. Sie sollen an einem Ort zusammengefasst werden. Aus Aufsichtsratskreisen hatte der Tagesspiegel zuletzt erfahren, dass Berlin kaum noch Chancen hat.

Die Logistiksparte insgesamt ist einer der profitabelsten Bereiche des Bahnkonzerns. Durch die Übernahmen von Stinnes – mit der Spedition Schenker – und des US-Konzerns Bax hat die Bahn den Geschäftsbereich stark erweitert. Sie sieht sich als europäische Nummer eins beim Landtransport per Lkw und weltweit bei der Luftfracht auf Platz zwei sowie bei der Seefracht auf Platz drei. In den Bereichen macht der Konzern gute Gewinne und profitiert von der Globalisierung.

Beim Schienengüterverkehr innerhalb Europas liegt die Bahn zwar unangefochten vor der Konkurrenz, hat aber mit einem starken Druck auf die Preise und Verlusten zu kämpfen. In Deutschland sichern sich die Wettbewerber zudem vor allem die lukrativen Kunden wie die Montan- und die Chemieindustrie.

Trotzdem sieht Vorstand Bensel einige Engpässe. Die bestehende Infrastruktur könne in absehbarer Zeit das erwartete Güteraufkommen nur noch schwer aufnehmen. Auf der Schiene zum Beispiel ziehen vor allem grenzüberschreitende Transporte an, und mit der kommenden Liberalisierung innerhalb der EU wird mit weiterem Wachstum gerechnet. Bei der Schiene wird deshalb zum Beispiel die Rheinstrecke immer wichtiger, die bereits heute stark für Transporte zwischen Skandinavien und Italien genutzt wird. „Für die weitere Entwicklung sind Investitionen in die Infrastruktur nötig“, sagte Bensel und sieht den Staat in der Pflicht.

Die Bahn selber wolle sich wiederum verstärkt an Verladeterminals beteiligen, diese kaufen oder Kooperationen eingehen, um sicherzustellen, dass das wachsende Güteraufkommen auch tatsächlich umgeschlagen werden kann. Bei Terminals im Landverkehr sei man bereits dabei, sagte Bensel. Künftig solle der Zugang auch auf der Seeseite geschaffen werden. Schließlich würden Reedereien die gleiche Politik verfolgen. Die skandinavische Maersk hatte angekündigt, Hafenterminals zu kaufen, weil Engpässe befürchtet würden. „Es gibt nicht nur interessante deutsche Häfen“, sagte Bensel. Die Bahn war jüngst mit den Plänen gescheitert, bei der Hamburger Hafengesellschaft HHLA einzusteigen.

Bei Luft- und Seefracht rechnet Bensel mit einer stärkeren Konzentration der Branche – also mit weiteren Übernahmen. „Größe an sich ist eigentlich kein Wert, aber sehr hilfreich in der Logistik“, sagte der Bahnvorstand. „Große Aufträge gehen letztlich an die großen Unternehmen.“ Dabei setzt Bensel auf die Marke Schenker. Das US-Unternehmen Bax werde mit seiner Marke voraussichtlich innerhalb von zwölf bis 18 Monaten integriert.

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