Wirtschaft : Die Bahn und der Boom

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Die deutsche Bahnindustrie ist voll des Lobes über ihren wichtigsten Auftraggeber. „Erst der Kostendruck, den die Bahn macht, hat dazu geführt, dass die Industrie heute international extrem wettbewerbsfähig ist.“ Das sagt immerhin der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes, Michael Clausecker. Sein Urteil über den Kunden Staat überrascht. Noch vor wenigen Jahren herrschte Untergangsstimmung bei den Herstellern von Lokomotiven, Waggons und Signalen. Tatsächlich quetschte die bundeseigene Bahn ihre Lieferanten bis an die Schmerzgrenze aus. Innerhalb eines Jahrzehnts, berichtet Clausecker, wurden die Preise halbiert.

Auslöser war die Bahnreform 1993. Das bundeseigene Unternehmen wird seitdem auf die Privatisierung vorbereitet und ist daher gezwungen, wirtschaftlich mit seinen Investitionsmitteln umzugehen. Das kam den Kunden zugute, aber auch der Industrie, die mit einer Produktoffensive ohnegleichen und scharfer Rationalisierung reagierte. Folge war zwar auch eine starke Konzentration unter den Herstellern – nur noch Siemens, Vossloh und Bombardier bauen Loks und Waggons in Deutschland. Auf der anderen Seite stieg aber auch der Export stark an: Vor zehn Jahren haben die Produzenten gerade mal ein Viertel ihres Geschäfts im Ausland gemacht, jetzt sind es vierzig Prozent – Tendenz steigend. In Zahlen: 8,4 Milliarden Euro setzen die Bahntechnikhersteller um, fünf Milliarden davon in Deutschland. Drei Viertel bestreitet die Bahn.

Doch das ist noch längst nicht der gesamte Betrag, den der Staat für den Schienenverkehr jährlich aufbringt. Hinzu kommen Hunderte öffentlicher Verkehrsbetriebe, die Straßenbahnen, Busse und technische Ausrüstung bei der Herstellern ordern. Nach Berechnungen des Verbandes der Verkehrsbetriebe sind das insgesamt gut zwei Milliarden Euro. Es waren schon bis zu 500 Millionen Euro mehr. Doch die Kassen der öffentlichen Hand sind nicht erst seit gestern leer. fo

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