• Die Bank will Sparbücher gegen Investmentfonds umtauschen. Sparkassen und Volksbanken sprechen von "wettbewerbswidriger Aktion"

Wirtschaft : Die Bank will Sparbücher gegen Investmentfonds umtauschen. Sparkassen und Volksbanken sprechen von "wettbewerbswidriger Aktion"

Rolf Obertreis

Eines jedenfalls hat die Dresdner Bank geschafft: Sie hat die Branche, vor allem das Lager der Sparkassen und Volksbanken in Unruhe versetzt. Ob das seit Montag gültige Angebot, Sparbücher von jeder Bank oder Sparkasse bei der Dresdner Bank gegen eigene Wertpapierfonds umzutauschen, auch ein zählbarer Erfolg wird, muss sich noch zeigen. Der Deutsche Sparkassen und Giro-Verband (DSGV) und der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) jedenfalls haben die Dresdner über den Bundesverband Deutscher Banken (BdB) nachdrücklich aufgefordert, die "wettbewerbswidrige" Aktion zu unterlassen. Dabei geht es vor allem um das Angebot der Großbank, Vorschusszinsen, die bei der kurzfristigen Auflösung eines Sparbuches anfallen, zu erstatten.

Auch Klaus Wächter, Chef der Frankfurter Sparkasse, gefällt die Aktion der Dresdner Bank überhaupt nicht. Das sei ein "Angriff auf die Sparkassen" wettert er. Es sei außerdem gesamtwirtschaftlich bedenklich, weil die Anleger einen Grundstock an Einlagen zur Verfügung haben müssten, der, wie Aktien oder Investmentfonds, keinen Kursschwankungen unterliege. Die Dresdner Bank lässt sich von dieser Kritik und der "Abmahnung" der Sparkassen und Kreditgenossen nicht beirren. Sie fährt ihre für das deutsche Kreditgewerbe einmalige Kampagne mit Nachdruck weiter. Die Bank will ihren Marktanteil von derzeit drei Prozent im Privatkundengeschäft erhöhen. Bei den Sparkassen liegen nach Angaben der Bundesbank 314 Milliarden Euro an Spargeldern, bei den Volksbanken sind es 187 Milliarden Euro, bei den Großbanken aber nur 51 Milliarden Euro.

"Gut 20 Prozent des Geldvermögens der Bevölkerung liegt derzeit auf unrentablen Sparbüchern. Daher ist es wichtig die Anleger aufzuklären und zu einer Umschichtung zu veranlassen", sagt Dresdner Bank-Vorstandsmitglied Joachim von Harbou. Das Sparbuch reiche für die Altersvorsorge oder auch für andere Sparziele nicht aus. Die Zinsen für ein Sparbuch mit dreimonatiger Kündigungsfrist lagen im August im Schnitt bei 1,23 Prozent.

Gesetzliche Spareinlagen sind für die Banken die billigste Quelle zur Geldbeschaffung. Das weiß man auch bei der Dresdner Bank. Aber offenbar ist man sich dort sicher, dass die beim Verkauf von Investmentfonds anfallenden Provision diesen Negativ-Effekt mehr als ausgleichen. Neue Kunden lassen sich im Übrigen schnell für andere Bankprodukte gewinnen.

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