Wirtschaft : Die Banken haben nichts gelernt

DIW: Institute neigen dazu, zu groß zu werden

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Berlin - „Too big to fail“: Das galt als das zentrale Problem der Bankenkrise, die im Herbst 2008 mit der Lehman-Pleite einen Höhepunkt fand. Viele Kriseninstitute waren einfach zu groß, als dass man sie pleite hätte gehen lassen können. Von „systemischen Banken“ war die Rede, und schnell waren sich die größten Industrie- und Schwellenländer, die G 20, einig, dass sie etwas gegen diese tickenden Zeitbomben tun müssen. International wurde daher den Banken auferlegt, mehr Eigenkapital bereitzuhalten. Zudem führte Deutschland eine Bankenabgabe ein, mit der die Institute zwangsweise einen Fonds speisen, der am Ende 70 Milliarden Euro für den Notfall umfassen soll.

Doch die Banken scheinen aus der Entwicklung wenig gelernt zu haben, im Gegenteil. „Die Maßnahmen im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise haben das Wachstum der Bankbilanzen nur kurzfristig gebändigt“, urteilt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Das Risiko, das von Banken mit großen fremdfinanzieren Bilanzsummen ausgehe, sei wieder gestiegen, heißt es in einem aktuellen Bericht der Berliner Forscher.

Das Problem ist der sogenannte Leverage-Effekt, also die Hebelwirkung: In guten Zeiten zahlt sich fremdfinanziertes Bilanzwachstum besonders stark aus, in schlechten Zeiten schwindet aber das Eigenkapital. Das DIW spricht von einem Brandbeschleuniger. „Großbanken mit Ansteckungspotenzial können oftmals von einer unausgesprochenen Staatsgarantie profitieren.“ Daran habe auch das seit Jahresbeginn geltende Restrukturierungsgesetz nichts geändert. „Wenn gegenseitige Abhängigkeiten die Abwicklung einer prinzipiell insolventen Bank kaum beherrschbar erscheinen lassen, verfehlt das Gesetz mangels Mut zur Anwendung seine Wirkung.“ Für Banken bestehe eher ein zusätzlicher Anreiz, besonders groß und komplex zu sein. Die neuen Eigenkapitalvorgaben gälten zudem nur für einen kleinen Teil der Bilanzsumme. Das „Too big to fail“-Problem bestehe fort. Moritz Döbler

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