Wirtschaft : "Die Banken müssen an die Leine"

Fondsmanager Christoph Bruns (40) fordert Konsequenzen.

Herr Bruns, am Dienstag hat die US-Notenbank die Zinsen gesenkt, um eine Rezession in den USA zu verhindern. Wird das gelingen?

Die Zinssenkung bringt überhaupt nichts. Wenn Sie einem Alkoholiker noch ein Bier mehr bringen, wird es bei dem auch nicht besser. Die Zinssenkung kann die Schmerzen nur kurzfristig lindern, die Krankheit bleibt.

Was ist die Krankheit?

Die Krankheit heißt Überkonsum. Die Amerikaner konsumieren mehr als sie produzieren – und das schon seit Jahren. Um den Konsum zu finanzieren, müssen sie sich Geld leihen. Das wird jetzt schwieriger. Die Amerikaner müssen den Gürtel enger schnallen und den Konsum einschränken.

Was droht dem Rest der Welt, wenn die US-Wirtschaft in die Rezession abrutscht?

Das wird Auswirkungen haben. Den Gedanken, dass sich die Welt von den USA abkoppeln kann, können wir beerdigen. Allerdings glaube ich nicht, dass es in Europa eine Rezession geben wird. Die dortigen Volkswirtschaften sind nicht mehr so abhängig von den USA.

Welchen Anteil haben die Banken an der Krise?

Die Banken haben sich in einer Weise schlecht verhalten, die es nötig macht, sie stärker an die Leine zu legen. Die Überwachung muss stärker und effizienter werden. Da wurde bisher geschlafen. Wenn Banken nicht pleitegehen können, weil im Notfall immer der Staat einspringt, dann muss der Staat auch eine vernünftige Aufsicht bereitstellen.

Sie haben schon vor einem Jahr vor einem Kurssturz an den Börsen gewarnt. Wird es jetzt noch weiter nach unten gehen?

Wir sind praktisch schon seit vergangenem Juni in einer Baisse, also einer Abwärtsbewegung. Das wird beim Blick auf Welt-Indizes deutlich. Die relativ gute Entwicklung beim Dax hat darüber nur hinweggetäuscht. Denn auch in Deutschland befindet sich der M-Dax schon seit mehr als einem halben Jahr im Abwärtstrend. Gerade bei kleineren und mittleren Werten gibt es deshalb jetzt einige günstige Kaufgelegenheiten.

Das Gespräch führte Stefan Kaiser

Christoph Bruns (40) arbeitet von Chicago aus für den Fondsanbieter Loys und verwaltet unter anderem einen Hedgefonds. Zuvor war er als oberster Fondsmanager bei Union Investment.

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