Wirtschaft : Die Banken sind für den Ansturm gerüstet

Die Aktie kostet 35 Euro - über die Verteilung soll das Los entscheiden

Der Preis der Aktie von Infineon Technologies ist endlich bekannt. Das Papier kommt zum höchstmöglichen Emissionspreis von 35 Euro auf den Markt. Am heutigen Montag startet die heiß begehrte Aktie des Münchner Chipherstellers im Börsenhandel. Wie Infineon am Sonntag mitteilte, haben sich die Konsortialführer für ein Losverfahren entschieden, um die Zuteilung der Aktien für die Privatanleger so fair wie möglich zu gestalten. Demnach soll circa jeder sechste Interessent eine Zuteilung erhalten. Dabei würden überwiegend Zeichnungsaufträge aus der Frühorderphase berücksichtigt. Wer bis zum 1. März die Aktie bestellt hat und ausgelost wird, zahlt über den "Frühbucherrabatt" nur 34 Euro. Die Emission war 33fach überzeichnet.

Für die Zuteilung der Aktien wurden Orderklassen gebildet. Demnach erhalten ausgeloste Frühzeichner, die 50 bis 249 Aktien bestellten, 40 Aktien. Wer 250 bis 499 Aktien bestellte, kann über das Losverfahren 70 Aktien zugeteilt bekommen. In der Klasse bis 999 Aktien gibt es 125 Aktien. Wer mehr als 1000 Aktien wollte, kann auf 250 Papiere hoffen. Anleger, die erst nach dem 1. März bestellt haben und ausgelost wurden, erhalten 35 Wertpapiere. Rund 60 Prozent der Aktien im größten deutschen Börsengang seit der Telekom gehen nicht an Kleinanleger, sondern an institutionelle Investoren wie Fonds oder Versicherer. Die neue Aktie wird in Frankfurt und New York notiert.

Deutsche Direktbanken sahen am Sonntag keine Probleme bei der Abwicklung der voraussichtlich lebhaften Kundenanfragen. Bei Direkt Anlage Bank, Comdirect Bank und Deutsche Bank 24 hieß es übereinstimmend, man sei für einen Ansturm von Anlegern, die ihre Zuteilung erfahren oder Verkaufsaufträge abgeben wollen, gerüstet. Ein Mitarbeiter im Call-Center der Comdirect Bank sagte, es könne zwar zu Wartezeiten kommen, aber Verkaufsaufträge würden rechtzeitig ausgeführt.

Bei der Münchener Direkt Anlage Bank können Kunden über Sprachcomputer oder Online erfahren, ob sie Infineon-Aktionär geworden sind, und danach auch ihre Aufträge erteilen. Das Callcenter der Bank sei wegen des Börsengangs auch stärker als sonst besetzt. Engpässe erwarten Händler, wenn viele Anleger ihre voraussichtlich satten Kursgewinne am ersten Tag gleich wieder realisieren wollen.

Die Infineon Technologies AG ist aus der Siemens-Halbleitersparte hervorgegangen, die der Konzern nach Milliardenverlusten ausgegliedert hatte. Das Unternehmen produziert mit weltweit 25 800 Beschäftigten Chips unter anderem für den Mobilfunk, für Kommunikations- und Multimedia-Anwendungen sowie die Automobil- und Industrieelektronik. Entflochtene Unternehmen wie Infineon sind in den vergangenen Jahren für Anleger interessant geworden. Einen Grund sehen die Analysten von Invesco Asset Management in der höheren Transparenz. Zuverlässige Angaben zu Gewinn und Cash Flow erhielten Anleger nur für eine Aktiengesellschaft als ganzes, nicht aber für einzelne Geschäftsbereiche. Würden jedoch diese Unternehmensteile als selbständige Gesellschaften an die Börse gebracht, so hätten die Anleger zuverlässigere Informationen und sähen ein geringeres Risiko. Folglich bewerteten sie die entflochtene Gesellschaft höher als das Alt-Unternehmen. Deshalb steige der Börsenkurs solcher Unternehmen am Tag der Bekanntgabe der Entflechtung stark an.

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