Wirtschaft : Die Banken stehen zu Leo Kirch

msh/jbh

Die deutschen Großbanken stehen vorerst zu ihrem finanziellen Engagement bei der hoch verschuldeten Kirch-Gruppe. Die Hypo-Vereinsbank teilte am Donnerstag mit, ihre Kreditlinien an Kirch "selbstverständlich aufrecht zu erhalten". Es sei keine Veränderung der Zahlungsfähigkeit von Kirch zu erkennen. Die Höhe der Kredite gab die Münchener Bank mit 500 Millionen Euro an, die sie für die Finanzierung von Kirchs Bezahlfernsehen Premiere und den Sendern Pro Sieben und Sat 1 zur Verfügung stellte. Aus Finanzkreisen verlautete am Donnerstag, die Dresdner Bank wolle sich noch am Abend mit der Kirch-Gruppe über die Verlängerung eines auslaufenden 450 Millionen Euro-Kredits verständigen. Dabei gehe es auch um die Aushandlung neuer Konditionen.

Seit einigen Tagen wird über die finanzielle Situation der Kirch-Gruppe spekuliert. Im kommenden Jahr stehen mehrere Transaktionen an, für die Kirch mehrere Milliarden Euro aufbringen muss. Zusammen mit den schon bestehenden Schulden von bis zu fünf Milliarden Euro bringt das den Medienkonzern in arge Finanznöte, wenn die Einnahmen nicht so fließen wie erhofft. Profitieren könnte davon der australische Medienunternehmer Rupert Murdoch, der schon lange versucht, auf dem deutschen Medienmarkt Fuß zu fassen. Bisher ist Murdoch mit 22 Prozent an Kirchs Pay-TV Premiere beteiligt.

In der Branche wurde sogar spekuliert, Murdoch plane eine feindliche Übernahme des Imperiums von Leo Kirch. Murdoch könne versuchen, die Gläubigerbanken der Kirch-Gruppe auf seine Seite zu ziehen und Leo Kirch so den Geldhahn zudrehen, um dann seinerseits bei dem Medienunternehmen einzusteigen. Dabei spiele auch der Kredit der Dresdner Bank eine Rolle.

Im kommenden Jahr kann Murdoch seine Beteiligung an dem Pay-TV-Sender Premiere an Kirch zurückgeben. Kosten für Kirch: rund eine Milliarde Euro. Weitere Ausgaben kommen auf Kirch zu, wenn der Springer-Verlag seinen Anteil an Kirch Media, wie vertraglich vereinbart, an Kirch zurück gibt. Dann wären weitere 750 Millionen Euro fällig. Kirch verhandelt derzeit mit dem ebenfalls finanziell angeschlagenen Springer-Verlag über einen Zahlungsaufschub.

Derzeit rechnet in Finanzkreisen noch niemand mit ernsthaften Problemen der Kirch-Gruppe. "Ich sehe keine akute Gefahr der Insolvenz", sagt Alexander Kachler, Medien-Analyst der Privatbank Merck Finck. Allerdings müsse der Konzern eine Lösung für das defizitäre Pay-TV-Geschäft finden.

Finanziellen Spielraum will sich die Kirch-Gruppe auch durch den Verkauf ihrer Beteiligung an dem spanischen Fernsehsender Telecinco verschaffen, der rund 500 Millionen Euro einbringen könnte. "Kirch muss jetzt versuchen, in seinem Kerngeschäft Lizenzhandel Geld einzunehmen." ( Siehe Lexikon ) Der Verkauf der Rechte für die Fußball-WM komme gut voran.

Hohe Einnahmen durch WM-Rechte

Im Kirch-Konzern wird beim Verkauf der Fernseh- und Radiorechte für die Fußball-Weltmeisterschaften 2002 und 2006 mit einem satten Überschuss gerechnet. Kirch-Media hält für beide Wettbewerbe die kompletten Weltrechte. An die Fifa muss er insgesamt 3,6 Milliarden Mark bezahlen, die vereinbarten Raten würden bezahlt, sagt eine Sprecherin. Nach aktuellem Stand konnten die Übertragungsrechte für die Fußball-WM 2002 in 21 europäische Länder, einen Großteil Asiens einschließlich der Veranstaltungsländer Korea und Japan, nach Mittel- und Südamerika sowie Afrika verkauft werden. In den USA ist ein Vertrag für die spanischsprachigen Rechte abgeschlossen, die Verhandlungen über die englischsprachigen Rechte sind bereits weit fortgeschritten, meldet Kirch-Media. Sehr viel schweigsamer ist der Konzern bei den Erlösen, "in die Verträge mit sehr vielen Rundfunkveranstaltern wurde eine so genannte Verschwiegenheitsklausel hineingeschrieben", so die Sprecherin.

Einige Zahlen sind bekannt geworden: Der französische Sender TF 1 bezahlt rund 350 Millionen Mark für beide Weltmeisterschaften, der Deal mit der italienischen RAI, ebenfalls für beide Konkurrenzen abgeschlossen, bringt minimal 300 Millionen Mark und maximal 470 Millionen. ARD und ZDF bezahlen nur für die Weltmeisterschaft 2002 rund 250 Millionen Mark. Die Verkaufssumme in England wird auf etwa eine halbe Milliarde Mark geschätzt. Die Ausstrahlungsrechte für Mittel- und Südamerika sollen rund 1,8 Milliarden Mark in die Kasse von Kirch-Media gebracht haben. Allein die Addition dieser Summen hieße, dass der Münchener Rechtehändler bereits die Rechnung des Fußball-Weltverbandes begleichen könnte. Dabei ist zu beachten, dass zahlreiche Verträge nur die Weltmeisterschaft 2002 plus eine Option für 2006 umfassen. Für den Wettbewerb 2006 in Deutschland wird erwartet, dass allein ARD und ZDF eine halbe Milliarde Mark an Kirch-Media bezahlen müssen.

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