Wirtschaft : „Die Bankgesellschaft leistet Widerstand “

Lone-Star Chef Roger Orf über seine Versuche, den wahren Wert des Berliner Bankenkonzerns zu erfahren

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Herr Orf, Lone Star hat nun doch ein Angebot für die Bankgesellschaft abgegeben. Wie viel wollen Sie bezahlen?

Unser Angebot liegt auf dem Tisch. Sie werden verstehen, dass wir keine Zahl nennen. Aber unser Angebot ist deshalb besonders attraktiv, weil das Land Berlin bei einem Verkauf der Bankgesellschaft keine weiteren Garantien übernehmen müsste. Wir bieten an, bei der Übernahme einen klaren Schlussstrich zu ziehen. Aber wir müssen natürlich alle Risiken kennen. Und nicht nur wir, auch das Land Berlin und die Berliner haben ein Recht zu erfahren, wie es um die Bank wirklich steht.

Lone Star hat die Bedingung auf zusätzliche Auskünfte gestellt. Glauben Sie, dass sie diese Informationen über Risiken noch bekommen?

Ohne die Risiken zu kennen, kann niemand den Wert der Bank bestimmen. Kein Investor auf der Welt wird Geld ausgeben, ohne genau zu wissen, was er kauft. Das gilt genauso für den Verkäufer. Aber gegenwärtig kennt offenbar nicht einmal das Land Berlin, der Besitzer der Bankgesellschaft, die genauen Risiken. Aber das Land muss doch die Zahlen kennen, bevor es überhaupt Verhandlungen mit irgendeinem Bieter beginnt.

Sie fühlen Sie sich bei der Forderung nach mehr Information nicht genügend unterstützt?

Lone Star hat weltweit viele Unternehmensprüfungen durchgeführt, aber einen solchen Widerstand wie bei der Bankgesellschaft haben wir noch nie erlebt. Wir kennen und akzeptieren das deutsche Bankgeheimnis. Viele sagen uns allerdings, dies wird nur als Alibi benutzt. Man muss denken, die Bank will gar nicht verkauft werden.

Wie viel hat Lone Star bisher in das Bieterverfahren investiert?

Wir haben rund 10 Millionen Euro investiert – das ist sehr viel Geld. Darüber hinaus haben wir eine Menge Zeit investiert. Aber das Ergebnis ist bisher ausgesprochen unerfreulich.

Sie brauchen nicht nur Geld, um die Bank zu kaufen. Sondern auch, um die Bonität der Bank sicherzustellen und um den Geschäftsbetrieb der Bank fortzuführen. Wie viel?

Wir haben genügend Kapital um die Bank zu kaufen und sie mit frischem Geld auszustatten. Falls wir – in vielleicht ein oder zwei Jahren – zusätzliches Kapital investieren müssten, würden wir dies tun.

Braucht die Bank eine Kapitalerhöhung?

Jedermann weiß, dass die Bank auch im vergangenen Jahr Verluste gemacht hat. Für die Zukunft benötigt sie eine gute Einstufung bei den RatingAgenturen. Das ist entscheidend. Dafür braucht man zusätzliches Kapital – und wir sind bereit es zu geben.

Der Vorstand der Bank hat mit der Sanierung begonnen. Sind sie mit den bisherigen Schritten zufrieden?

Ich meine, eine der wichtigsten Maßnahmen des Vorstandes zur Rettung der Bankgesellschaft wäre es, endlich den Bietern ausreichende Informationen zur Verfügung zu stellen.

Können Sie sich denn vorstellen, mit dem jetzigen Vorstand zusammenzuarbeiten, wenn Sie Eigentümer der Bank sind?

Das ist derzeit eine hypothetische Frage. Heute muss ich leider fest stellen: Die Zusammenarbeit mit dem jetzigen Vorstand bei der Informationsbeschaffung hat sich als sehr schwierig erwiesen.

Die Planungen sehen den Abbau von rund 400 Arbeitsplätzen vor. Ist dies genug?

Nach den uns bisher vorliegenden Daten reicht ein solcher Abbau aus.

Nach einer eventuellen Übernahme durch Lone Star wird es also keinen weiteren Arbeitsplatzabbau geben?

Wenn die Daten, die wir bisher kennen, stimmen, wird es keinen weiteren Abbau von Arbeitsplätzen geben.

Ist Ihr Angebot zeitlich befristet?

Das Verfahren läuft bis zum 30. März. Unser Angebot wird bis zu diesem Zeitpunkt bestehen bleiben, vielleicht auch länger.

Das Gespräch führte Daniel Rhée-Piening.

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