Wirtschaft : Die Baufirmen Hochtief und Züblin sollen in Lesotho Schmiergelder in Millionenhöhe gezahlt haben

jhw

Zwei deutsche Bauunternehmen sind in Korruptionsverdacht geraten. Die Essener Hochtief AG und die Stuttgarter Züblin AG sollen im Rahmen eines Bauprojekts zusammen mit einigen anderen Firmen mehrere Mill. DM Bestechungsgelder überwiesen haben. Das berichtete die weltweit tätige Anti-Korruptionsorganisation Transparency International in Berlin.

Demnach geht es um den Bau eines Stausees im Staat Lesotho im südlichen Afrika, der wichtig ist für die Wasser- und Stromversorgung in Südafrika. Über zehn Jahre haben Unternehmen Transparency zufolge den Vorstandschef des Lesotho Highlands Water Project mit ungefähr vier Mill. DM bestochen. Im Gegenzug erhielten sie offenbar den Zuschlag für das Projekt. Es ist der zweite Fall einer Auftragsvergabe an Hochtief, einer Tochter des Essener Mischkonzerns RWE, binnen weniger Tage, der für Schlagzeilen sorgt. Erst am Dienstag stellte das Oberlandesgericht Brandenburg fest, dass die Vergabe für den Bau des Großflughafens Berlin-Brandenburg International rechtswidrig sei.

Im Fall des Großauftrags aus Lesotho verweist Hochtief allerdings darauf, dass die italienische Impregilo das Konsortium angeführt habe. Deswegen richteten sich Untersuchungen allein gegen Impregilo, nicht gegen Hochtief. Doch Transparency verweist darauf, dass es sich um ein Vorhaben handele, das die Weltbank mit nahezu 300 Mill. DM finanziert habe. Delikat daran ist, dass die Weltbank gemäß ihren Richtlinien ein Unternehmen, das bestochen hat, für weitere Aufträge sperrt - im Einzelfall für immer.

An dem umstrittenen Bau in Lesotho sind mehr als ein Dutzend Bauunternehmen aus Europa und Nordamerika beteiligt. Dazu zählen neben Hochtief, Impregilo und Züblin die schweizerisch-schwedische ABB und die französische Bouygues. Alle Firmen kommen aus Staaten, die die Konvention der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gegen Korruption unterzeichnet haben. Deutschland setzte die Konvention im Winter um. Seitdem sind beispielsweise Schmiergelder nicht steuerlich absetzbar.

Der Chef des Lesotho Water Highlands Projects ist in der vergangenen Woche von der Regierung Lesothos angeklagt worden - wegen Bestechlichkeit und Betrugs. Transparency-Vorstand Peter Eigen drängt aber darauf, Kritik nicht nur auf den Empfänger von Bestechungsgeldern zu konzentrieren. "Sowohl Zahler als auch Empfänger betrügen die Öffentlichkeit, verschwenden Ressourcen und behindern die Entwicklung", sagte Eigen. "Zweifellos verdienen die internationalen Firmen einen Tadel." Transparency prangert Korruption seit sechs Jahren weltweit an und wirbt für eine Politik ohne Bestechung.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben