Wirtschaft : "Die Bauwirtschaft muß sich mehr anstrengen"

IM INTERVIEW - Wirtschaftssenator Elmar Pieroth

Die Entscheidung des Bundeskartellamtes, dem Senat die sogenannte Tariftreueerklärung für Straßenbauaufträge zu untersagen, hat in der Bauwirtschaft heftige Reaktionen provoziert.Zu dem Thema sprach Alfons Frese mit Berlins Wirtschaftssenator Elmar Pieroth. TAGESSPIEGEL: Herr Pieroth, können Sie die Aufregung in der Baubranche nachvollziehen? PIEROTH: Wir müssen für einige wenige Übergangsjahre der früher abgekapselten Bauwirtschaft helfen, voll in den Wettbewerb reinzuwachsen.Auf Dauer dürfen wir uns aber nicht darauf einrichten, kostengünstigere Unternehmen und Arbeitnehmer hier vom Markt fernhalten zu wollen. TAGESSPIEGEL: Die Mauer ist vor acht Jahren gefallen.Wie lange soll den die hiesige Wirtschaft noch geschützt werden? PIEROTH: Allenfalls zwei Jahre.Im Jahr 2000 müssen wir uns dem Wettbewerb stellen.Langfrist haben wir nur einen Vorteil von einer arbeitsteiligen Wirtschaft, wenn es unterschiedliche Löhne gibt.Deshalb müssen wir auch wegkommen vom starren Flächentarifvertrag, damit wir einen Wettbewerb über die Lohnkosten haben. TAGESSPIEGEL: Ist den der Berliner Bau in den letzten Jahren vorangekommen? Sind die Unternehmen effizienter, kundenorientierter, also alles in allem wettbewerbsfähiger geworden? PIEROTH: Unsere Bauwirtschaft muß sich noch viel mehr anstrengen.Kürzlich beim Richtfest von Philip Morris beklagte ein Unternehmensvertreter, ein Handicap in Berlin seien noch immer die hohen Baupreise.Das muß anders werden, denn sonst gefährdet das möglicherweise auch Arbeitsplätze in Industriebereichen.Da liegt grundsätzlich die Gefahr: Wenn wir Unternehmen aus anderen Regionen diskrimieren, dann wehren die sich irgendwann und kaufen nicht mehr die Produkte, die in Berlin hergestellt werden.Deshalb gibt es zum freien Wettbewerb keine Alternative.

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