Wirtschaft : Die Beamten liegen vorn

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Die Arbeitgeber fordern in der Tarifrunde 2005 flexiblere Arbeitszeiten, die eine 40Stunden-Woche erlauben. Bislang arbeiten die rund 2,4 Millionen Beschäftigten in Westdeutschland 37,5 Stunden pro Woche, in Ostdeutschland 38 Stunden . Eine Ausnahme ist Berlin mit einer 37-Stunden-Woche . Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi lehnt längere Arbeitszeiten ab. Auch bei einer Nullrunde, wie sie von den Arbeitgebern gefordert ist, will Verdi nicht mitmachen, sondern fordert eine Lohnerhöhung um 3,5 Prozent.

ÖFFENTLICHER DIENST (I)

Für die Arbeiter und Angestellten im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen wurde im Februar ein neuer Tarif vereinbart. Für die West-Beschäftigten beim Bund verlängert sich die Wochenarbeitszeit um 30 Minuten auf 39 Stunden , im Osten verringert sich gleichzeitig die Arbeitszeit um eine Stunde auf 39 Stunden . Für die Angestellten der Kommunen bleibt es bei 38,5 Stunden (West) und 40 Stunden (Ost) .

ÖFFENTLICHER DIENST (II)

Die Arbeitzeit von Beamten liegt bei Bund und Ländern mindestens bei 40 Wochenstunden . In einzelnen Ländern, etwa Bayern und Hessen, müssen die Beamten bis zu 42 Stunden arbeiten. Für die Arbeiter und Angestellten der Länder gilt wieder eine andere Regelung. Sie fallen nicht unter den neuen Tarifvertrag, der für die Arbeiter und Angestellten des Bundes und der Kommunen gilt. Deshalb versuchen viele Länder, bei Neueinstellungen oder bei der Vereinbarung neuer Verträge die Arbeitszeit ihrer Angestellten auf das Beamtenniveau zu heben. Berlin , das aus der Tarifgemeinschaft ausgeschieden ist, ist ein Sonderfall . Arbeiter und Angestellte des Landes arbeiten kürzer bei entsprechender Lohnabsenkung. Dafür sind betriebsbedingte Kündigungen bis 2009 ausgeschlossen.

CHEMIE- UND

DRUCKINDUSTRIE

In der vergangenen Woche wurden für rund 550000 Chemiearbeiter und 200000 Drucker neue Tarife abgeschlossen. In der Chemie wurde die Arbeitszeitregelung bis Ende 2007 verlängert. Die Regelarbeitszeit beträgt weiter 37,5 Stunden . Davon kann unter bestimmten Voraussetzungen mit Zustimmung der Betriebsparteien und der Tarifparteien um 2,5 Stunden nach oben oder unten abgewichen werden. In der Druckindustrie konnte Verdi die 35-StundenWoche im Westen verteidigen, musste aber ein Arbeitszeitkonto mit bis zu 220 Stunden akzeptieren.

METALLINDUSTRIE

Im größten Industriebereich werden 35 (Westen) und 38,5 (Osten) Stunden gearbeitet – das sieht zumindest der Tarif vor. Tatsächlich wird länger gearbeitet, sei es per Überstunden oder im Rahmen so genannter betrieblicher Bündnisse für Arbeit. Mit dem Pforzheimer Tarifabschluss vom Februar 2004 hat die IG Metall die Möglichkeit zu solchen Bündnissen und damit zu längeren Arbeitszeiten erweitert. Mehr als 200 Firmen haben davon Gebrauch gemacht. Ob diese Öffnungsklausel funktioniert und den Arbeitgebern ausreicht, wird sich in der nächsten Tarifrunde Anfang 2006 zeigen.

ANDERE BRANCHEN

Für die Beschäftigten der Bahn wurde Anfang des Jahres die Arbeitszeit, befristet bis 2010, auf 39 Stunden erhöht. Im Maler- und Lackiererhandwerk müssen die Beschäftigten 40 Stunden arbeiten, eine Stunde mehr als bisher. Eine Ausnahme ist die Telekom. Für die rund 100000 Mitarbeiter der Festnetztochter T-Com wurde 2004 die Arbeitszeit um vier auf 34 Stunden reduziert, mit einem Teil-Lohnausgleich. alf/dro

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