Wirtschaft : Die Berliner Bank wird offenbar liquidiert

JOBST-HINRICH WISKOW

Die Berliner Bank AG steht möglicherweise vor dem Aus.Offenbar wird der Mutterkonzern Bankgesellschaft Berlin AG das traditionsreiche Haus liquidieren.Der Vorstandssprecher der Bankgesellschaft, Wolfgang Rupf, hatte bereits seit Tagen die Umstrukturierung angekündigt.Jetzt verdichten sich die Hinweise darauf, daß die Berliner Bank sehr schnell prominentes Opfer des Reformkurses von Rupf wird.Damit würde sich die Bankenlandschaft in Berlin entscheidend verändern.Allerdings dürften die Filialen weiterhin unter dem Logo "Berliner Bank" arbeiten, und auch am Kundengeschäft dürfte sich nichts ändern.Die Aktivitäten der alten Berliner Bank könnten ins Geschäft der Landesbank Berlin eingegliedert werden, zu dem unter anderem die Sparkassen gehören.Neben den Filialen der Berliner Bank und der Berliner Sparkasse zählen auch jene der Allbank zum Konzern der Bankgesellschaft.

Anfang der Woche hatte Rupf noch gesagt, die Berliner Bank werde nicht liquidiert, sondern konzentriert.Demnach sollten das überregionale Gechäft, die Niederlassungen außerhalb Berlins und die Stabsbereiche in den kommenden Monaten der Bankgesellschaft übertragen werden.Jetzt plant der Vorstand um Rupf offenbar die völlige Auflösung der Berliner Bank.Grund dafür dürfte die steigende Unruhe der Gesellschafter der Bankgesellschaft sein, die nach dem Scheitern der Fusion mit der Norddeutschen Landesbank (Nord LB), Hannover, im Oktober als krisenanfällig gilt.

Die Aktionäre der Bankgesellschaft drängen nun auf einen härteren Reformkurs.Im Gespräch sind dabei verschiedene Varianten: Neben der schnellen Liquidierung der Berliner Bank gelten offenbar auch der Verkauf ihrer Schwester Landesbank Berlin oder ein weitergehender Stellenabbau als mögliche Maßnahmen.Bis zum Ende des kommenden Jahres will die Bank die Zahl der Beschäftigten um 2000 senken.Ein Sprecher der Bankgesellschaft betonte am Sonnabend, dabei handle es sich um die Zahl für den gesamten Konzern, nicht allein um die für die Berliner Bank, wie "Der Spiegel" in seiner neuen Ausgabe berichtet.Derzeit beschäftigt die Bankgesellschaft etwa 16 000 Mitarbeiter.

Der Nachteil der entschlossenen Sanierung wären erhebliche Einschnitte an der Profitabilität der Bankgesellschaft.Daher würde die Bank in diesem Jahr ihren Aktionären keine Dividende zahlen.Im vergangenen Jahr schüttete das Institut für jede Aktie noch 1,10 DM aus.Davon profitierte besonders das Land Berlin, das als Großaktionär 56,8 Prozent der Anteile hält: Die Berliner Finanzsenatorin Annette Fugmann-Heesing (SPD) erhielt noch 140 Mill.DM Ausschüttung, hinzu kamen 1,5 Mrd.DM aus dem Verkauf der Anteile der Landesbank an die Bankgesellschaft.Jetzt sind die Hoffnungen der Senatorin, ihr Haushaltsproblem zumindest teilweise mit Geld von seiten der Bankgesellschaft zu lösen, endgültig dahin.

Die anderen Großaktionäre sind die Norddeutsche Landesbank, die 15 Prozent der Anteile hält, und die Gothaer, die zehn Prozent besitzt.18,2 Prozent der Aktien befinden sich im Streubesitz.Ihr Kurs ist in den vergangenen Monaten überdurchschnittlich stark gesunken.

Ein Grund für den Sturz der Notiz waren die langwierigen Verhandlungen der Bankgesellschaft mit dem potentiellen Fusionspartner Nord LB.Den ursprünglichen Plänen zufolge hätten die beiden Institute sich zum 1.Januar 1999 zusammenschließen sollen.Als die Fusion Mitte Oktober scheiterte, mußte die Bankgesellschaft beabsichtigte Synergieeffekte von 150 Mill.DM abschreiben.

Ein anderer Unsicherheitsfaktor bleibt die Immobilienkrise in Berlin.Immer noch sind die finanziellen Risiken für die Bankgesellschaft kaum kalkulierbar.Für die ersten neun Monate des laufenden Jahres mußte die Bankgesellschaft auch deshalb ihre Risikovorsorge auf netto 838 Mill.DM erhöhen - verglichen mit 777 Mill.DM im Vorjahreszeitraum.Diese Zahl gab Rupf am Montag auf der Herbstpressekonferenz bekannt.

Im gesamten Jahr dürfte die Risikovorsorge auf netto 1,1 Mrd.DM anwachsen.Der hohe Wertberichtigungsbedarf resultiert nach Angaben von Rupf aus Engagements der Vergangenheit.Geschäfte neuerer Zeit seien nicht fehlgeschlagen, gab er an.

Trotz der Immobilien-Misere bleibt die Bankgesellschaft im Geschäft.Doch wie im Interbankengeschäft und im Filialgeschäft, die auch künftig zu den Aktivitäten der Berliner zählen, wird Rupf aufräumen.Aus den mehr als 150 Tochtergesellschaften der Bank will der Vorstandssprecher offenbar eine straff organisierte Truppe machen.Im Konzern ist bekannt, daß zwei Jahre Zeit bleiben für die Sanierung.

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