Wirtschaft : „Die Berliner Flughafenpolitik ist unattraktiv“

Henry Hasselbarth, Europachef von Fly Emirates, über den Großflughafen, den A 380 und die WM 2006

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Herr Hasselbarth, wer ist Fußballmeister in Dubai?

Ehrlich gesagt, das kann ich nicht sagen. Ich war nie in einem Fußballstadion.

Sie sind Zentraleuropa-Chef von „Fly Emirates“. Ihr Unternehmen hat sich als Hauptsponsor für die Fußball-WM 2006 eingekauft – und Sie waren nie in einem Stadion?

Man muss nicht ein Fan sein, um die immense Wirkung vom Fußball zu verstehen. Ich kann Ihnen erklären, warum wir uns mit 45 Millionen Euro bei der WM engagieren. Die Lufthansa hatte kein Interesse, da haben wir zugesagt. Die WM ist eines der größten globalen Ereignisse. Und wir sind ein globales Unternehmen.

Am Mittwoch wird das WM-Verkehrskonzept in Berlin vorgestellt. Und was ist das Konzept von Emirates?

In erster Linie geht es uns um internationale Aufmerksamkeit. Deshalb sponsern wir hochkarätige Veranstaltungen im Segeln, Golf und haben kürzlich einen Vertrag mit Arsenal London abgeschlossen, dem englischen Fußball-Meister. Vor zwei Jahren war unser Bekanntheitsgrad sehr bescheiden. Inzwischen wissen immer mehr über uns Bescheid, und wenn wir die Werbebanden in den WM-Stadien aufstellen, erreichen wir jeden.

Bislang kennen Sie vor allem elitäre Schichten. Sogar Ihre Visitenkarte ist vergoldet.

Und jetzt denken Sie, wegen des Öls fallen uns die Goldtaler nur in den Schoß. Aber das stimmt nicht.

Sie werden vom Staat unterstützt?

Nein. Wir tragen den Namen des Landes in die Welt hinaus, aber wir erhalten keinen Cent. Wir haben in den 20 Jahren des Bestehens von Emirates nur einmal Minus gemacht, das war 1986.

Wie läuft das Geschäft heute?

Das Unternehmen verdoppelt alle drei Jahre seine Größe. In Deutschland werden wir die Zahlen in diesem Jahr um 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern.

Wären Ihre Zahlen nicht besser, wenn Sie Partner in einer Flugallianz wären?

Nein. Wir gehen auch in Zukunft keine Allianzen ein. Wir wollen unabhängig sein und nicht auf andere warten. Schauen Sie sich manche US-Airline an. Deren finanzielle Situation ist nicht attraktiv, da müssen wir keine Bündnisse eingehen.

Ihr Unternehmen hat das neue Super-Flugzeug Airbus A 380 bestellt - und zwar gleich 43 Mal. Fliegen Sie mit dem Airbus A380 auch nach Deutschland?

Ja, nach Frankfurt am Main. Wir fliegen dorthin zweimal täglich, wie auch nach München und bald nach Düsseldorf. Ab Oktober fliegen wir nach Hamburg – zunächst einmal täglich. Die Auslastung beträgt 90 Prozent. Aber wir hatten etwas Spektakuläreres vor.

Was denn?

Wir wollten den Jungfernflug zum Eröffnungsspiel der Fußball-WM machen. Das findet ja in München statt. Aber das geht leider nicht. Vielleicht rufen Sie mal bei Airbus an und drängeln, damit das Flugzeug schneller fertig wird.

So ein A 380 wäre ideal als Fantransporter in die WM-Städte. Wie sieht der Airbus von innen aus?

Es wird keinen Tennisplatz geben, keine Pflanzen, keine Sauna. Wir werden drei Klassen anbieten. Insgesamt passen 520 Leute hinein, wir stopfen also nicht. Aber zur WM fliegen eh nicht alle Fans mit uns.

Emirates-Chairman Sheikh Ahmed bin Saeed Al Maktoum hat gesagt, dass man über Berlin als Flugziel nachdenke.

Berlin ist attraktiv, die Flughafenpolitik der Stadt ist unattraktiv. Vieles ist bürokratisch, sogar ein bisschen provinziell. Das würde es in Dubai nie geben. Dennoch wollen wir Berlin anfliegen. Und wenn wir kommen, kommen wir täglich.

Wann?

Vielleicht in zwei, drei Jahren. Bis zur WM schaffen wir es nicht mehr. Berlin pulsiert: Die Kultur ist hier, die Politik, nur die Unternehmen fehlen. Deshalb ist ein Großflughafen wichtig. Tegel ist Geschichte. Der Flughafen muss kommen, sonst machen alle Fluggesellschaften einen Bogen und suchen sich andere Drehkreuze aus. Berlin hätte das Nachsehen.

Wie kommt eigentlich der Scheich von Dubai zum WM-Finale nach Berlin?

Bis Frankfurt fliegt er mit uns, dann könnte er in die Lufthansa umsteigen. Damit hätte er keine Probleme. Oder er könnte auch seinen Privatjet nehmen.

Das Gespräch führten André Görke und Robert Ide.

Henry Hasselbarth

leitet seit 1994

die Europazentrale von Fly Emirates,

der Fluggesellschaft aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Hasselbarth ist gebürtiger Berliner.

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