Wirtschaft : Die Berliner Grundkreditbank - mit Hilfe der Frankfurter DG Bank wieder auf Kurs

IM INTERVIEW

"Es spricht sehr viel für eine Fusion"IM INTERVIEW

Heiko Bruns, Vorstandsmitglied der DG Bank, über Rolle und Zukunft der genossenschaftlichen Banken in Berlin und den neuen Ländern Die Berliner Grundkreditbank soll mit Hilfe der Frankfurter DG Bank wieder auf Kurs gebracht werden.Welche Rolle spielt das Frankfurter Institut im genossenschaftlichen Verbund? Wo liegen seine Aufgaben und wie sieht es sich selber? Daniel Rhée-Piening sprach darüber mit Heiko Bruns, Mitglied des Vorstandes der DG Bank. TAGESSPIEGEL: Welche Aufgaben nimmt die DG Bank in Berlin und den neuen Ländern wahr? BRUNS: Die DG Bank hat hier zwei ganz wichtige Kundengruppen: Wir sind Zentralbank für die Volks- und Raiffeisenbanken und als Geschäftsbank auch Partner für größere mittelständische Unternehmen.Als Zentralbank stellen wir den genossenschaftlichen Banken Produkte und Dienstleistungen für deren Privat- und Firmenkundschaft zur Verfügung.Neben klassischen Zentralbankaufgaben wie der Abwicklung des Zahlungsverkehrs oder dem Liquiditätsmanagement beraten und unterstützen wir die Volks- und Raiffeisenbanken gemeinsam mit den Verbänden in allen Fragen des Vertriebs, des Marketings, aber auch der Banksteuerung und der Geschäftsfeldplanung.Im gewerblichen Kreditgeschäft sehen wir uns als Partner der mittelständischen Unternehmen, die wir direkt oder gemeinsam mit den genossenschaftlichen Banken vor Ort betreuen.Wir bieten dabei die ganze Palette moderner Bankdienstleistungen. TAGESSPIEGEL: Wie vermeiden sie Interessenkollisionen mit den ortsansässigen Volks- und Raiffeisenbanken? BRUNS: Die genossenschaftliche Bankengruppe ist subsidiär organisiert.Das Privatkundengeschäft wird ausschließlich von den Volksbanken und den Raiffeisenbanken betrieben.Die DG Bank stellt hierfür nur Produkte und Beratungsleistungen zur Verfügung.Im Geschäft mit Firmenkunden marschieren wir gemeinsam, daß heißt Ansprechpartner für den klassischen Existenzgründer ist zunächst die Volksbank oder Raiffeisenbank vor Ort.Wächst das Unternehmen zum gestandenen Mittelständler heran, dann stehen Kreditgenossenschaft und DG Bank gemeinsam als Kreditgeber und Dienstleister zur Verfügung.Im Einzelfall richtet sich das nach der Größe der jeweiligen Volksbank oder Raiffeisenbank. Es gibt eine Fülle von Fällen, wo etwa das gesamte Zahlungsverkehrsmanagement für ein großes mittelständisches Unternehmen über die Ortsbank läuft und wir zum Beispiel die Investitionsfinanzierung stellen. TAGESSPIEGEL: Geben sie den Volks- und Raiffeisenbanken gegebenenfalls auch personelle Unterstützung? BRUNS: Zunächst einmal ist wichtig festzuhalten, daß die Volksbanken und Raiffeisenbanken eigenständige Unternehmen sind. Aufsicht und Beratung in Strukturfragen obliegen den jeweils zuständigen regionalen Genossenschaftsverbänden.Die DG Bank, deren Anteilseigner im übrigen ja zum ganz überwiegenden Teil direkt oder indirekt die genossenschaftlichen Banken sind, ist Dienstleister für den Verbund.Im Rahmen dieser Dienstleistungen stellen wir in Ausnahmefällen auch personelle Unterstützung zur Bewältigung schwieriger Managementaufgaben zur Verfügung.Aber das ist, wie gesagt, die Ausnahme im genossenschaftlichen Grundsatz der Hilfe zur Selbsthilfe. TAGESSPIEGEL: Beschreibt das die aktuelle Situation der Grundkreditbank? BRUNS: Das aktuelle Thema Grundkreditbank war genau solch ein Fall.Der Genossenschaftsverband Berlin-Hannover und der Bundesverband haben uns gebeten, Managementkapazitäten zur Bewältigung der aktuellen Probleme zur Verfügung zu stellen.Die von den Verbänden bereitgestellten Bürgschaften für die Grundkreditbank waren ausdrücklich an die bekannten personellen Veränderungen in der Geschäftsleitung der Grundkreditbank gebunden.Mein Vorstandskollege, Herr Panner, steht deshalb für einen Zeitraum von sechs bis acht Monaten als Vorstandsvorsitzender zur Verfügung.Dr.Schemmann wird dauerhaft in den Vorstand der Grundkreditbank eintreten. TAGESSPIEGEL: Die Bürgschaft für die Grundkreditbank kommt also nicht von Ihnen, sondern von den genossenschaftlichen Verbänden?BRUNS: Genauer gesagt von der Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken.Die Sicherungseinrichtung kann entweder direkt Liquidität zuführen, oder ­ wie jetzt im Falle der Grundkreditbank ­ Bürgschaften für notleidende Kredite geben.Die DG Bank hat hierbei keine Funktion.Sie leistet als Mitglied der genossenschaftlichen Bankengruppe aber erhebliche Beiträge in den Fonds. TAGESSPIEGEL: Was würden sie zu weiteren Fusionen in Ostdeutschland und speziell in Berlin sagen? BRUNS: Wir betreiben keine Strukturpolitik.Die Vorstellungen darüber, was eine sinnvolle Bestandsgröße ist, muß von den Instituten selbst entwickelt werden.Das gehört zu den unternehmerischen Aufgaben der Vorstände.Beratung und Unterstützung leisten dabei die Verbände.Fusionen sind übrigens nicht neu.Bundesweit gibt es gegenwärtig rund 2500 Kreditgenossenschaften.Das sind rund ein Viertel weniger als 1991.In den neuen Bundesländern hat sich die Zahl seit 1993 um 18 Prozent auf heute 173 verringert.Wir gehen davon aus, daß die Zahl der Institute im Osten nach dem Jahr 2000 bei 100 bis 150 liegen wird.. Berlin ist ein Sonderfall.Hier wird jetzt über eine Fusion der drei großen Institute nachgedacht.Aber sie muß aus dem Willen der drei Banken und ihrer Mitglieder erwachsen.Betriebswirtschaftlich spricht sehr viel für eine solche Fusion.Mit einem Flaggschiff mit einer konsolidierten Bilanzsumme, die bei rund 28 Mrd.DM liegen würde, wäre der genossenschaftliche Sektor dann auch in der deutschen Hauptstadt herausragend vertreten.Wir begrüßen deshalb die entsprechenden Gespräche zwischen den Banken.

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