Wirtschaft : Die Berliner Krise: Scharfe Vorwürfe gegen Wolfgang Rupf

ball/dr

Die Vorwürfe gegen den Vorstandsvorsitzenden der Bankgesellschaft Berlin, Wolfgang Rupf, werden schärfer. Am Freitag wies Rupf in einem eilig einberaumten Pressegespräch Vorwürfe zurück, es gebe eine Interessenkollision wegen seiner Funktionen als Vorstandsvorsitzender der Bank und Aufsichtsratsvorsitzender der Hornbach Baumärkte AG sowie Aufsichtsratsmitglied der Hornbach Holding. Rupf betonte ferner, er habe bei der Reorganisation der Bankgesellschaft sehr wohl schnell und konsequent durchgegriffen.

Auch die beiden Geschäftsführer der Aubis-Unternehmensgruppe, Klaus Wienhold und Christian Neuling, meldeten sich am Freitag erneut zu Wort. Sie reagierten auf Rupfs Aussagen vom 8. März in der "Abendschau". Dort sagte er: "Als in der ersten Aufsichtsratssitzung (am 4. April) die Größenordnung dieses Kredit bekannt geworden ist, habe ich gesagt, es ist schon erstaunlich, dass man einen solchen Kredit bewilligen kann. Wie kann es dazu kommen?" Dieser Darstellung widersprachen Wienhold und Neuling heftig. Dem Tagesspiegel legten sie ein Fax vom 3. Januar 1997 vor. Darin bedanken sie sich bei Rupf für die "kurzfristige Einräumung des morgigen Termins". Zum selben Termin wollen sie Rupf eine Kurzdarstellung der Aubis-Gruppe sowie eine Übersicht der Immobilien vorgelegt haben. Darin sind die Objekte aufgelistet, die Aubis nach dem so genannten Zwischenerwerbermodell kaufen wollte. In dem Dokument wird der Verkehrswert mit mehr als 700 Millionen Mark angegeben. Ferner habe Rupf sogar angeregt, in Zukunft "auch über gemeinsame Objektgesellschaften nachzudenken". Damit habe er sich an Neulings Seite gestellt. Dieser hatte sich bei ihm beklagt, dass die Kreditobergrenze für Aubis vom Ex-Vorstandsmitglied der Berlin Hyp, Jürgen Noack, kurzfristig auf 350 Millionen Mark festgelegt worden sei. Rupf habe Neuling aber versichert, "wenn ein Vorstand schriftliche Finanzierungszusagen mit dem üblichen Gremienvorbehalt versehen herausgibt, so muss der Vorstand auch zu diesen Finanzierungszusagen stehen, anderenfalls sind sie kein Vorstand".

Konfrontiert mit dem offenkundigen Widerspruch erklärte Rupf, er bestätige die Inhalte dieses Aktenvermerks nicht. Er habe eine gegensätzliche Auffassung über den Verlauf des Gesprächs. Er widersprach der Darstellung, er habe einer Überschreitung der Kreditobergrenze zugestimmt. Dem Papier nach nahm Noack diese vor, um die ohnedies hohen Risiken einzuschränken.

Im Falle Hornbach geht es darum, dass Rupf einerseits Vorstandsvorsitzender der Bankgesellschaft und gleichzeitig Aufsichtsratsmitglied der Hornbach Holding und Aufsichtsratsvorsitzender der Hornbach Baumärkte AG ist. Als Bankchef war er verantwortlich für die Konstruktion eines Teils milliardenschwerer Immobilienfonds. Darin brachte der Baumarkt-Konzern Hornbach in den vergangenen Jahren sieben einzelne Baumärkte im Gesamtwert rund 200 Millionen Mark ein. Im laufenden Jahr sollen weitere fünf Immobilien im Wert von 123 Millionen Mark hinzukommen. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie Rupf die unterschiedlichen Interessen des Käufers und Verkäufers der Immobilien gleichzeitig wahrnehmen konnte. Zudem war der Vorwurf erhoben worden, Rupf habe einem Kredit an die Hornbach-Gruppe zugestimmt.

Rupf stellte nun gestern vor der Presse klar, er sei 1987 von einem Anwalt der Hornbach Gruppe in seiner Funktion als geschäftsführender Gesellschafter der BHF-Bank angesprochen worden. Damals sei es um eine Beteiligung der BHF an Hornbach gegangen. Zu der Beteiligung kam es nicht, nachdem Hornbach an die Börse ging. Rupf bekam jedoch die Aufsichtsratsmandate und hat sie bis heute inne. Scharf wies Rupf Vermutungen zurück, er stehe in irgendeinem wirtschaftlichen oder verwandschaftlichen Verhältnis zu Hornbach. Die Aufnahme der Hornbachmärkte in die Fonds sei zunächst vom Projektausschuss der IBG beschlossen und vom Anlageausschuss im Aufsichtsrat der IBG gut geheißen worden. In diesen beiden Ausschüssen sei er nicht vertreten. Bei dem Vorgang handele es sich um die Finanzierung eines von der IBG abgeschlossenen Kaufvertrages und nicht um eine direkte Finanzierung für die Hornbach Baumarkt AG. Dennoch habe sich Rupf in der entscheidenden Sitzung der Stimme enthalten, hieß es gestern.

Rupf erklärte ergänzend, bei Abstimmungen in den Gremien der Bank, die die Hornbach-Gruppe beträfen, enthalte er sich immer seiner Stimme. Er habe sogar mit Hornbach eine Vereinbarung, wonach er im Interesse der Bank gegen die Baumarkt-Gruppe stimmen könne.

Rückendeckung erhielt Rupf auch von Seiten der Hornbach AG. Diese teilte mit, "Herr Rupf habe bei all diesen Vorgängen keinerlei Einfluss genommen". Als die ersten so genannten sale-und-rent-back-aktionen mit den IBG-Fonds erfolgt seien, sei Rupf noch gar nicht Aufsichtsratsmitglied bei Hornbach gewesen. Allerdings reichen die Geschäftsverbindungen von Rupf mit Hornbach noch weiter in die Vergangenheit. So war er bis Mitte 1996 Vorstandsvorsitzender der Hornbach Baumarkt AG und von 1987 bis 1995 Aufsichtsratsvorsitzender der Hornbach AG.

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