Wirtschaft : Die Berliner Krise: "Verfilzung von Politik und Bank"

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Offiziell will niemand zitiert werden. Aber unter der Hand schüttelt man auch in Frankfurt den Kopf über die Vorgänge bei der Bankgesellschaft Berlin. "Ich bin entsetzt", sind noch die mildesten Kommentare in Frankfurter Bankenkreisen. Vom "Berliner Sumpf" ist die Rede, von der "unseligen Verquickung und Verfilzung" von Politik und Bankgeschäft. Die Schuld für das Desaster wird in Frankfurt zwar auch Vorstandschef Wolfgang Rupf angekreidet, der bis 1995 Vorstand der Frankfurter BHF Bank war und 1997 nach Berlin zur Bankgsellschaft wechselte. "Für einen Außenstehenden wie Rupf ist es schwierig, in diesen Filz einzudringen", sagt ein ehemaliger Kollege. Aber auch nur durch Rupf sei wohl ein Teil der Probleme an die Oberfläche gekommen. Das Entsetzen, dass unter Frankfurter Banker geäußert wird, hat allerdings wenig mit Schadenfreude zu tun. "Was derzeit in Berlin passiert, trifft das Ansehen der gesamten Bankenwelt." Insofern besteht auch am Main großes Interesse daran, dass die Probleme schnell vom Tisch kommen. Zwar wird unter privaten Banken immer über die Vermischung von Eigentümerstrukturen mit öffentlichen und privaten Anteilseignern lamentiert. In Berlin habe dies allerdings eine bedenklichere Qualität als bei Banken in anderen Bundesländern. "Dass hier private Eigentümer mit dabei sind, hat nicht mehr als Feigenblatt-Funktion", sagt einer. Die Struktur sei höchst unklar und bestehe aus einem "Sammelsurium von Berliner Instituten." Dazu agiere die Bankgesellschaft in einem strukturell schwierigen Raum. Das gelte vor allem mit Blick auf den Immobilienmarkt in Ostdeutschland. Aber offenkundig habe die Bankgesellschaft mit ihren Töchtern bei Immobilienprojekten blauäugig agiert. "Oder reine Profitgier hat die Geschäfte bestimmt."

Wie das Land Berlin angesichts des Desasters weitere Anteile an der Bankgesellschaft abgeben will, weiß in Frankfurt keiner. Eine private Bank werde sich in der derzeitigen Lage kaum in Berlin engagieren. Vorstellbar sei das allenfalls, wenn bei der Bankgesellschaft der große Schnitt gemacht werde. Aber den sieht am Main derzeit niemand. "Wahrscheinlich", sagt einer, "hätte Rupf schon bei seinem Amtsantritt aufräumen und im Prinzip alle rausschmeißen müssen." Abgesehen von diesen inoffiziellen Äußerungen ist die Bankgesellschaft auch offiziell in Frankfurt schon seit vier Wochen unten durch. Anfang Februar haben die Analysten der BHF Bank die Aktie zum Verkauf gestellt. Die Bankgesellschaft habe das Vertrauen der Investoren verspielt.

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