Wirtschaft : Die Berliner Wertpapierbörse: Berliner Börse AG mit neuer Handelsplattform

bfr

Die Berliner Wertpapierbörse will Anfang kommenden Jahres eine "neue, speziell auf Privatanleger zugeschnittene Handelsplattform" starten. "Wir stehen kurz vor der Fertigstellung, damit wird das Ende der Zweiklassengesellschaft von Profis und Privatinvestoren eingeläutet", sagte der Vorstand der Berliner Börse AG, Jörg Walter, am Donnerstag in Berlin. Ein neues Web-Portal werde Privatanlegern den Zugang zu transparentem und kostengünstigem Online-Handel ermöglichen. "Wir wollen eine direktere Verbindung zum Anleger aufbauen." Die Verbesserung umfasse den Einblick in das Orderbuch, eine schnellere Orderausführung und jederzeit faire Kurse sowie eine halbierte Maklercourtage.

Der Privatanleger erhält nach Angaben Walters elektronisch jederzeit Einblick in das Orderbuch, das normalerweise nur professionellen Investoren offensteht. So kann der Aktienanleger jeweils aktuell sehen, welchen Order-Überhang es auf der Kauf- und Verkaufsseite bei der einzelnen Aktie gibt. Dies, die aktuelle Kursstellung der Makler und die Ordererteilung, soll über ein neu zu schaffendes Web-Portal der Berliner Börse im Internet ermöglicht werden. "Die Ordervereinfachung wird in Deutschland einmalig sein. Dieses so genannte Klick-Routing ist auch für alle Online-Banken und -Broker offen, und wir rechnen damit, dass sich viele daran beteiligen werden", erklärte Walter. Das Portal biete weiteren Service; dort sollen unter anderem Ad-hoc-Mitteilungen, Wirtschaftsnachrichten, Firmenporträts und Charts zu sehen sein.

Zudem werde den Anlegern eine "best execution" garantiert - die Makler stellen jederzeit verbindliche Kurse (Quotes) mit engen Differenzen (Spreads) zwischen Kauf- und Verkaufskursen, die Ausführung soll im Durchschnitt nicht länger als 30 Sekunden dauern. Etwa zum Ende des ersten Quartals 2001 werde die Maklercourtage von derzeit 0,8 auf 0,4 Promille des Auftragswerts halbiert. Die Börse werde ein verbindliches Regelwerk für die neuen Anforderungen aufstellen und dessen Einhaltung überwachen.

Bei der Suche nach strategischen Partnern ist die Berliner Börse aber offenbar noch nicht viel weiter gekommen. "Wir verhandeln und sind nach allen Seiten offen", so Walter. Konkretere Gespräche gebe es mit dem Discount-Broker Consors, der bereits im Frühjahr eine Beteiligung an der Berliner Börse als Ziel angegeben hatte, und die Bankgesellschaft Berlin. Kein Partner solle aber mehr als zehn und alle zusammen weniger als 50 Prozent der Anteile bekommen. Bei den Handelzeiten ist offenbar zunächst keine Ausweitung über 20 Uhr hinaus geplant.

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