Wirtschaft : Die besten Geschäfte vor dem Fest

„Weihnachtsaktien“ sind schon ziemlich teuer

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Frankfurt am Main Gibt es unter Aktien den typischen Weihnachtsprofiteur? Ein Unternehmen, das wegen sehr guter Verkäufe auch an der Börse nach oben gezogen wird? Experten sind skeptisch. Wenn, dann kommt diese Aktie aus dem Bereich Elektronik oder aus dem Online-Handel, da hier im ansonsten schwachen Geschäft die höchsten Zuwächse zu erwarten sind, heißt es unter Analysten. Schließlich sind Handys, Flachbildschirme und Digitalkameras in diesem Jahr die Renner unterm Tannenbaum.

Damit wird aber nicht gleich die Aktie jedes Herstellers ein Hit. „Das grundsätzliche Problem ist, dass wir im Bereich Elektronik derzeit keine Revolution, sondern nur eine Evolution erleben“, sagt Gerold Deppisch von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Dennoch gibt es Ausnahmen. Eine heißt Blackberry. Die in Managerkreisen zur Kultmaschine avancierte Mischung aus Handy und mobilem E-Mail-Zugriff hat in den letzten zehn Monaten die Zahl ihrer Nutzer auf zwei Millionen verdoppelt.

Das Problem der Anleger ist jedoch, dass der Aktienkurs des kanadischen Herstellers Research in Motion (RIM) dieser Entwicklung keineswegs hinterhergelaufen ist. Seit Jahresbeginn hat die RIM-Aktie um 150 Prozent zugelegt. Das Kurs- Gewinn-Verhältnis (KGV) für das Geschäftsjahr 2004/2005 liegt bei 36 und damit im Vergleich zur Branche sehr hoch. Etliche Banken wie zuletzt UBS haben ihre Kaufempfehlungen zurückgeschraubt.

Ähnlich ist die Situation beim US-Computer-Hersteller Apple. Dessen digitaler Musikplayer Ipod hat ebenso Kultstatus wie der Blackberry – wenn auch bei einer anderen Klientel. Doch auch die Apple-Aktie ist kein Schnäppchen mehr, sie hat sich seit August mehr als verdoppelt. Das KGV für das Geschäftsjahr 2004/2005 steht bei 50. Mit einem Kurs von aktuell 66 Dollar liegt die Aktie im Rahmen dessen, was die meisten Analysten als fair betrachten.

Auch in der Mobilfunk-Branche werden die besten Geschäfte vor dem Fest gemacht. Rund ein Drittel des Jahresumsatzes erwirtschaften die Anbieter im Weihnachtsgeschäft. Der weltgrößte Mobilfunkkonzern Vodafone geht in diesem Jahr in 13 Ländern mit sieben neuen UMTS-Handys an den Start. Von 40 Analysten, die laut Informationsdienst Bloomberg die Aktie beobachten, empfehlen 30 diese zum Kauf. Vodafone startete UMTS als erster Anbieter in Deutschland, während die anderen Mobilfunkbetreiber noch keine große Akzeptanz der neuen Datentechnik sehen. Insofern ist die Aktie auch eine Wette darauf, ob die neue Technik von den Kunden angenommen wird oder nicht.

Eines ist schon vor Heiligabend klar: Der Handel über das Internet boomt. 137 Euro und damit 20 Prozent mehr als im Vorjahr gibt jeder Deutsche diesmal für Online-Einkäufe im Weihnachtsgeschäft aus, schätzt der Internet-Provider Web.de. Größte Profiteure sind die weltweit bedeutendsten Online-Einkaufshäuser Ebay und Amazon. Amazon hat schon nach dem ersten Adventswochenende über Rekordumsätze berichtet. Gleiches erwarten Analysten von Ebay.

Beide Aktien sind zwar bei Experten hoch angesehen, gelten aber als teuer. Amazon hat für 2005 ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 32, Ebay sogar von 73. Dass deswegen die Einschätzungen von Analysten weit auseinander gehen, versteht sich: Für die Amazon-Aktie, die derzeit bei rund 38 Dollar notiert, liegt der faire Wert von Aram Rubinson von der Banc of America bei 26 Dollar, Heath Terry von Credit Suisse First Boston hält 54 Dollar für angemessen. Bei Ebay, die aktuell 114 Dollar kostet, ist die Spanne ähnlich groß. Während Marc Rowen von Prudential 87 Dollar als fair erachtet, steht das Kursziel von Imran Khan von JP Morgan bei 130 Dollar. Der Anleger kann sich damit wie jedes Jahr an Weihnachten fragen: Was ist Wunsch, was Wirklichkeit?scc/HB

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