Wirtschaft : Die besten Kunden vernachlässigt

Henrik Mortsiefer

Der Commerzbank laufen die Privatkunden davon. Und mit denen, die sie noch hat, macht die Bank zu wenig Geschäft. Das zeigt sich vor allem bei der Vermögensverwaltung und im Wertpapierhandel. Der Provisionsüberschuss ist eingebrochen - nicht nur, weil die Kurse fallen und kaum noch jemand Aktien kaufen will. Die Commerzbank hat es offenbar auch versäumt, die vermögende Kundschaft trotz der Flaute bei der Stange zu halten. Zum Beispiel mit einem attraktiven Angebot im Online-Banking. Wenn in der kommenden Woche der Commerzbank-Ableger Comdirect und die Wettbewerber Consors und DAB ihre Zahlen präsentieren, werden die Folgen zu Tage treten: Nicht nur in den Filialen, sondern auch im elektronischen Privatkundengeschäft schreiben die Banker rote Zahlen.

Eine vertane Chance. Studien zeigen, dass jeder vierte Privatkunde mit einem Vermögen von mehr als 100 000 Mark bis 2003 das Internet für seine Bankgeschäfte nutzen wird. Die Untersuchungen zeigen auch, dass die Branche auf diese Wünsche der anspruchsvollen Klientel nicht vorbereitet ist. Im Boom rasant gewachsen, haben die Online-Töchter nur auf das Massengeschäft gesetzt und - so fahrlässig wie die Zocker unter ihren Kunden - die Auswirkungen einer Baisse unterschätzt. Nach dem Absturz sind nun die Kleinanleger weg, und die vermögende Kundschaft fehlt, weil das Internet in den feineren Kreisen einen zweifelhaften Ruf hat. Die Suche nach Partnern für die teuren Töchter, an der sich auch Commerzbank-Chef Müller beteiligt, wird deshalb ein Problem nicht lösen: In den fetten Jahre haben die Großbanken ihre besten Kunden aus dem Blick verloren.

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