Wirtschaft : Die Bewag sitzt in Berlin fest

ANTJE SIRLESCHTOV

Muß die Bewag oder muß sie nicht? Noch ein Tag, dann wird sich der Berliner Stromversorger beim Bundeskartellamt rechtfertigen müssen. Die Kontrahenten aus dem Westen Deutschlands wollen schon jetzt Strom in das Hochspannungsnetz der Stadt einspeisen. Die Bewag sagt, daß das aus technischen Gründen nicht geht. Der Berliner Stromversorger hat schlechte Karten: Wie auch immer das Urteil der Wettbewerbsbehörde ausfallen wird, die Bewag gilt in der Branche als Spielverderber: Wie in einem Brennglas konzentrieren sich seit Monaten Stromanbieter in Berlin und verpassen dem traditionellen Lokalversorger mit trickreichen Aktionen den Makel eines trägen Monopolisten in Abwehrhaltung.

Und die Bewag? Nur wenige spektakuläre Markteroberungen im Westen Deutschlands zeigen, daß sich der Berliner Stromlieferant nicht mit der Defensive zufrieden gibt. Nicht einmal im Umland glänzt die Bewag mit Offerten. Dabei sollte es ihr doch ein Leichtes sein, in Hennigsdorf oder Bitterfeld Marken zu setzen. Doch es scheint, daß die Bewag nicht so darf, wie sie will. Genauso wenig wie die Nachbarn vom ostdeutschen Versorger Veag. Das ist gefährlich. Wer neue Märkte nicht besetzt, wird auf dem erzeugten Strom sitzen bleiben und früher oder später ganz aus dem Markt gedrängt. Für die ostdeutschen Stromunternehmen inklusive der Bewag könnte sich nun eine der letzten Entscheidungen der DDR-Regierung als Wettbewerbshindernis erweisen. Damals waren die ostdeutschen Energieversorger in immer wechselnden Beteiligungen an die großen westdeutschen Stromversorger verteilt worden. Viele der Anteilseigner sind heute auch an der Bewag beteiligt. Und die hindern die Bewag daran, in Ostdeutschland ihre Schwesterunternehmen niederzukonkurrieren. Genau so, wie die Bewag die Konkurrenz daran hindern will, in den Berliner Markt zu kommen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar