DIE BÖRSE IM JANUAR Der Aktienmarkt kollabiert : Winterschlussverkauf

Henrik Mortsiefer
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Berlin - Von einem Börsenkater nach Silvester zu sprechen, dürfte die Situation am Aktienmarkt in den vergangenen vier Wochen nur mangelhaft beschreiben. Wie unter Schock verfolgten Anleger im Januar rund um den Globus einen rabenschwarzen Börsenmonat. Kehren die Investoren normalerweise zum Jahresauftakt mit frischem Geld an die Märkte zurück, traten sie 2008 weltweit in einen Käuferstreik. Die großen Indizes stürzten tagelang ab, der Dax verlor bis zu 20 Prozent oder mehr als 1600 Punkte verglichen mit dem Schlussstand von 2007. New York, Tokio, Frankfurt – die Verkaufswelle erfasste nicht nur die Finanzzentren, sondern auch die Schwellenländerbörsen in Asien und Lateinamerika. Ausgehend von der Krise am US-Hypothekenmarkt machte sich plötzlich Panik breit: Rezession in den USA, Inflation, Milliardenabschreibungen, Vertrauenskrise – zu viel für sensible Kapitalanleger.

Der Ausverkauf ist zwar inzwischen gestoppt, doch die Nervosität ist nach wie vor groß. Der V-Dax, der als „Angstindex“ die vom Terminmarkt erwartete Schwankungsbreite des Dax ausdrückt, ist auf den höchsten Stand seit Ende 2003 gestiegen. Die meisten Dax-Prognosen der Banken für 2008 dürften bald revidiert werden, ebenso viele Gewinnschätzungen der Unternehmen. Nur die mutigsten Anleger sind zuletzt wieder eingestiegen – mit dicken Sicherheitspolstern, die vor neuen Abstürzen schützen sollen.

Die Bilanz der Dax-Werte sieht verheerend aus: alle 30 Aktien schließen den Monat mit einem Kursverlust ab, bei 20 Werten liegt das Minus bei mehr als zehn Prozent. Gemessen am Börsenwert der deutschen Standardwerte gingen binnen vier Wochen mehr als 134 Milliarden Euro verloren.

Wenig verwunderlich: Hypo Real Estate fiel im Januar mit einem Verlust von 42 Prozent ans Ende der Dax-Liste. Das überraschende Eingeständnis des Vorstands, die US-Hypothekenkrise mache, anders als bisher behauptet, doch millionenschwere Abschreibungen nötig, wurde von der Börse umgehend hart bestraft. Schwer angeschlagen ist auch MAN (knapp minus 28 Prozent). Obwohl der Nutzfahrzeughersteller mit guten Zahlen glänzte, fällt der Ausblick auf ein mögliches Rezessionsjahr in den USA negativ aus. Deutlich besser erging es VW-Aktionären, die ein vergleichsweise kleines Minus von 2,8 Prozent hinnehmen mussten. Der Autobauer fährt Sonderschichten wegen der guten Nachfrage aus dem Ausland und betreibt weiter – wenn auch bislang erfolglos – das Nutzfahrzeugbündnis aus MAN und Scania. Platz zwei belegten die konservativen Werte Linde (minus 3,3 Prozent) und Metro (minus 4,5 Prozent). Auffallend stabil präsentierte sich die Postbank (minus 8,5 Prozent), die im Vergleich zu Commerzbank und Deutscher Bank mit dem Verkaufsdruck in der Branche besser zurechtkam.

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