Wirtschaft : Die Börse im Mai: Ein schwacher Monat endet glimpflich

Veronika Czisi

Der Mai machte seinem Ruf als schlechter Börsenmonat alle Ehre: Fast acht Prozent gab der deutsche Leitindex Dax in den ersten drei Wochen nach. Knapp über der 6800-Punkte-Marke, die unter Charttechnikern als Grenze zwischen Wohl und Wehe gilt, machte der Index halt und drehte, angetrieben durch positive Vorgaben aus den USA, zum Monatsende wieder nach oben. Am Schluss blieb ein erträgliches Minus von gut vier Prozent. Doch das Bild trügt. Ein Großteil der 30 Werte beendete den Monat mit gewaltigen Kurssprüngen, teils nach oben, teils nach unten.

Mit kräftigem Aufwind flog, allen voran, die Lufthansa: Ein unerwartet starkes Quartalsergebnis und die Ankündigung von Airline-Chef Jürgen Weber, die gesamte Reiseplanung über das Netz verfügbar zu machen, brachten dem Kranich reihenweise Kaufempfehlungen - und ein Plus von gut 13 Prozent. Die Metro AG dagegen konnte mit dem Thema Internet keine Käufer anlocken, im Gegenteil. Man wolle führender Anbieter im elektronischen Handel werden, kündigte der Konsumriese an. Vorstellbar sei sogar eine Ausgliederung der Online-Sparte inklusive Börsengang. Doch die schwache 1999er-Bilanz mit gesunkenem Umsatz und Überschuss vergraulte die Anleger. Mit einem Monatsminus von gut 16 Prozent lag die Metro AG aber immer noch leicht besser als Preussag und Thyssen Krupp. An der Preussag missfiel den Investoren vor allem der Verlust von 74 Millionen Euro in der Tourismus-Sparte im ersten Halbjahr. Für zu kostspielig hielt die Börse auch die sechs Milliarden Mark teure Übernahme der britischen Thomson Travel Plc, die Preussag bzw. TUI aber immerhin zum weltgrößten Reiseveranstalter macht. Thyssen Krupp wiederum gab zwar auf der ersten gemeinsamen Hauptversammlung des neuen Konzerns glänzende Halbjahrszahlen bekannt, trotzdem stürzte der Kurs binnen weniger Stunden um 15 Prozent ab. Eine Verdoppelung des Vorsteuer-Ergebnisses und ein Plus von 175 Prozent beim Gewinn pro Aktie reichten den Aktionären nicht: Sie hatten mehr erwartet. Insgesamt verlor das Papier binnen vier Wochen mehr als ein Fünftel seines Wertes, steht damit aber nun auf den Kauflisten der Bankgesellschaft Berlin und des US-Investmenthauses Lehman Brothers.

Von den Dax-Technologiewerten verkauften Anleger neben Epcos vor allem SAP. Dabei konnte die Walldorfer Software-Schmiede im Mai mit einer ganzen Palette guter Nachrichten aufwarten: SAP kooperiert mit Nokia beim mobilen Internet, arbeitet mit dem kanadischen Weltmarktführer für optische Netzwerktechnik Nortel Networks zusammen, gründet einen virtuellen Marktplatz mit der Deutschen Bank und beteiligt sich an Commerce One, dem führenden Software-Anbieter für den firmeninternen Handel über das Internet (B2B). Außerdem steht ein Split im Verhältnis eins zu drei ins Haus. Trotzdem konnte sich SAP dem High-Tech-Ausverkauf nicht entziehen. Nach 14,5 Prozent Minus im April verlor das Papier im Mai weitere 13 Prozent.

Bei den Auto-Aktien wurde Daimler-Chrysler weiter ausgebremst, während BMW den Turbo einschaltete. Dass die Münchner nach einer Achterbahnfahrt gut zehn Prozent zulegen konnten, verdanken sie allerdings alleine der Erleichterung der Anleger über die endgültige Trennung vom Milliardengrab Rover. Rund neun Milliarden Mark hat BMW mit Rover insgesamt in den Sand gesetzt, die Bilanz für das vergangene Jahr weist daher erstmals seit Jahrzehnten einen Milliardenverlust aus. Da konnte die Aktionäre auch die Tatsache nicht mehr schocken, dass der Vorstand den Verkaufspreis für die Landrover-Sparte an Ford in Euro festgelegt hatte und durch den Kursverfall am Ende 400 Millionen Mark weniger einnahm als geplant. Doch die Börse handelt Zukunft und so gehörte BMW mit einem Schlußkurs von 32,60 Euro am Ende zu den Stars des Monats.

Daimler-Chrysler hingegen schaffte es nicht, die am 11. Mai verlorene 60-Euro-Grenze zurückzuerobern. Vor allem US-Anleger hätten nach enttäuschenden Quartalszahlen der Chrysler-Sparte entnervt das Handtuch geworfen, hieß es auf dem Parkett. Das Papier macht seit Jahren keine Freude: Mit 58,30 Euro notiert Daimler-Chrysler auf dem tiefsten Stand seit der Fusion. Schützenhilfe kam von der Bankgesellschaft Berlin, die angesichts der extrem niedrigen Bewertung empfahl, DaimlerChrysler nun zu "akkumulieren". Das US-Investmenthaus Merrill Lynch hingegen nahm eine Empfehlung zurück und hält die Aktie nun nur noch für "langfristig neutral". Auch die Telekom rauschte durch die 60 Euro nach unten, konnte sich aber erholen - vermutlich mit massiver Schützenhilfe der Banken, denen zum Börsengang der dritten Tranche T-Aktien stille Kurspflege ratsam erscheinen dürfte. Fast reihum abgestraft wurden die Finanzpapiere, allen voran die Allianz, die gut neun Prozent verlor. Die auf einem Analystentreffen präsentierte Zukunftsstrategie kam offenbar nicht an. Auch Münchener Rück, Commerzbank und die von der gescheiterten Fusion mit der Deutschen Bank gebeutelte Dresdner Bank schafften es nicht, Käufer ins Haus zu locken. Deutsche Bank konnten dagegen zwölf Prozent gewinnen.

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