Wirtschaft : Die Börse lässt D.Logistics und Comroad fallen

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Die Aktien der in Turbulenzen geratenen Unternehmen Comroad und D.Logistics sind am Donnerstag abgestürzt. Die am Neuen Markt notierten Werte gaben jeweils rund 40 Prozent ab. Der Telematikanbieter (siehe Lexikon ) Comroad hatte zuvor mitgeteilt, die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG habe ihr Mandat niedergelegt. Offenbar hat sich das seit einigen Monaten kursierende Gerücht bestätigt, das Unternehmen habe "Scheingeschäfte" mit nicht existierenden Unternehmen in Asien verbucht. Der Aufsichtsrat kündigte nach einer außerordentlichen Sitzung eine Sonderprüfung an. Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BaWe) prüft nach Angaben einer Sprecherin, ob Comroad mit der Pflichtmitteilung vom Mittwoch verspätet über den Rückzug von KPMG informiert hat. "Wir prüfen bei Comroad mögliche Ad-hoc-Verstöße", sagte eine BaWe-Sprecherin. Die Frage sei, ob die Pflichtmitteilung vom 20. Februar verspätet gekommen sei. "Wir werden uns den Sachverhalt auch unter dem Gesichtspunkt des Verbots von Insidergeschäften ansehen."

Der ebenfalls in der Logistik-Branche tätige Dienstleister D.Logistics überraschte mit der Mitteilung, nach der drastischen Verfehlung seiner Gewinnprognose 2001 sei das Unternehmen nun auch in finanzielle Schwierigkeiten geraten. "Auf Grund eines absehbaren Liquiditätsengpasses wird die D.Logistics AG umgehend Gespräche mit den finanzierenden Banken des Konzerns anberaumen", teilte die im Nemax-50 gelistete Firma mit. Ziel der Gespräche sei die Überbrückung des Engpasses sowie eine langfristige Neuordnung der Finanzstruktur.

Ende September 2001 hatte der D.Logistics-Vorstand noch Zahlungsmittel von 42 Millionen Euro ausgewiesen, Anfang Februar stieg plötzlich der Firmengründer aus, vor einigen Tagen musste das Management einräumen, dass das Ergebnis vor Steuern im schlechtesten Falle auf null sinken könne. Der aktuelle Liquiditätsengpass belaufe sich auf einen niedrigen einstelligen Millionen-Euro-Betrag, der in sechs bis acht Wochen benötigt werde, um den Engpass zu schließen, sagte eine Sprecherin. "Die Lage ist in meinen Augen schockierend", sagte Analyst Nils Machemehl von M.M. Warburg. Anlegern empfahl er, die Aktie zu verkaufen.

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