Wirtschaft : Die Börse macht früher Schluss

Elektronischer Handel endet künftig schon um 17 Uhr 30 – nur das Parkett bleibt noch bis 20 Uhr geöffnet

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Berlin (hop/dr). Der Handel an der deutschen Leitbörse in Frankfurt (Main) wird eingeschränkt. Das gab die Deutsche Börse ausgerechnet an dem Tag bekannt, an dem der Deutsche Aktienindex (Dax) einen neuen Höchststand erreichte. Angetrieben von Hoffnungen auf eine Erholung der Weltkonjunktur sowie von kräftigen Kursgewinnen bei den Finanzwerten, stieg der Dax am Mittwoch zwischenzeitlich um zwei Prozent auf 3647 Punkte. Dies ist der höchste Stand seit August 2002.

Die Banken begrüßen den Schritt, denn sie sparen dadurch Personalkosten. Auch die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) unterstützt das Vorhaben der Börse. Es sei unsinnig, einen Apparat aufrechtzuerhalten, wenn keine Nachfrage da sei, sagte eine Sprecherin. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) äußerte hingegen Kritik. „Man nimmt den Privatanlegern die Möglichkeit, im liquidesten Teil des Marktes zu handeln“, sagte ein Sprecher. Die Schwankungen auf dem Parkett könnten deutlich größer sein. Deshalb könne man als Privatanleger nicht sicher sein, „dass man den besten Kurs bekommt“.

Nach den Plänen der Deutschen Börse soll das elektronische System Xetra, über das rund 94 Prozent aller deutschen Börsenumsätze abgewickelt werden, ab 3. November nur noch zwischen 9 Uhr und 17 Uhr 30 genutzt werden können. Bisher war der Handel über das elektronische System bis 20 Uhr möglich. Dies war erst im Juni 2000 während des Börsenbooms ausgeweitet worden.

Zwischen 17 Uhr 30 und 20 Uhr soll künftig in Frankfurt nur noch auf dem Parkett gehandelt werden können. Der Frankfurter Parketthandel macht rund vier Prozent des gesamten deutschen Aktienhandels aus. Dieser Trend sei aber in jüngster Zeit steigend gewesen, erklärte Alexandra Franz, Sprecherin der Börse Frankfurt: „In den vergangenen drei Monaten hat es im Abendhandel eine deutliche Erholung gegeben.“

Die Frankfurter Börse begründete ihre Entscheidung vor allem mit dem Wunsch großer institutioneller Anleger wie Banken, Fonds und Versicherungsgesellschaften. An den anderen großen europäischen Börsen wie London oder Paris endet der Handel ebenfalls bereits um 17 Uhr 30. Die längeren Handelszeiten in Deutschland waren für institutionelle Anleger mit Mehrkosten verbunden, weil auch in den Abendstunden Mitarbeiter bezahlt werden mussten.

In Frankfurter Bankenkreisen zeigte man sich zufrieden mit der Entscheidung der Deutschen Börse. „Es wird immer mehr europaweit gehandelt, deswegen ist eine Vereinheitlichung der Handelszeiten nur zu begrüßen“, sagte der Sprecher einer Bank. Der Parketthandel am Abend werde sich vor allem auf Kleinanleger beschränken. „Ich glaube nicht, dass institutionelle Investoren dort handeln werden.“ Auch der Parketthandel stehe wahrscheinlich unter Vorbehalt, sagte der Sprecher. Alles hänge von der Frage ab: „Kommt es jetzt zu einer Handelsbelebung auf dem Parkett, wenn die Konkurrenz durch Xetra wegfällt?“

Ein wesentlicher Grund dafür, dass die Börse in Frankfurt weiter an dem Parketthandel festhält, ist die Konkurrenz mit den Regionalbörsen um die Gunst der Privatanleger. Börsensprecherin Franz sagte: „Der Parketthandel soll als Angebot für Privatanleger aufrecht erhalten bleiben.“ Und die Regionalbörsen von BerlinBremen über Stuttgart bis München wollen es genauso halten. In Berlin verwies man darauf, dass es die Regionalbörsen gewesen seien, die eine Verlängerung des Handels initiiert hätten.

Auch Düsseldorf bleibt dabei, obwohl die dortige Börse eine allgemeine Verkürzung der Handelszeiten befürwortet. Alle Börsenplätze müssten jedoch mitziehen. Andreas Schmidt von der Börse München sagte dem Tagesspiegel: „Unsere Kundschaft hat sich an den Handel bis 20 Uhr gewöhnt, warum sollten wir die Zeiten verkürzen?“ Und an der Stuttgarter Börse heißt es: „Bei uns nimmt die Aktivität von Kleinanlegern nach 18 Uhr zu.“

Noch nicht entschieden hat die Deutsche Börse derzeit, zu welchem Zeitpunkt der offizielle Dax-Stand des Tages festgestellt werden wird. Bankenkreise gehen davon aus, dass der Schluss des Xetrahandels um 17 Uhr 30 maßgeblich sein wird.

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