Wirtschaft : Die Börse rät bei Viag zu Vorsicht

THOMAS MAGENHEIM

Es ist wieder so weit.Nach der Fusion von Daimler und Chrysler steht zwischen der Viag und der Schweizer Algroup ein zweiter internationaler Firmenzusammenschluß per Aktientausch an.Der letzte wird es nicht sein.Konzerne wie Hoechst und die Deutsche Bank stehen in den Startlöchern.Zumindest im Fall der bayerisch-schweizerischen Ehe spricht einiges für ein Gelingen ohne große Reibungsverluste.Die Partner rühmen die "perfekte industrielle Logik" des Vorhabens.

Wenn man an die Zukunft von Mischkonzernen glaubt, hat das durchaus Berechtigung.Denn die bisherige Schlagseite der Bayern wird durch die Schweizer mit einem Schlag geradegerückt.Strom stand im vorigen Jahr für ein Fünftel aller Viag-Umsätze, aber für 86 Prozent der Gewinne.Da die Lberalisierung der Strommärkte mit entsprechendem Druck auf die Margen die Stärke schnell in eine Schwäche verwandeln könnte, hat das Viag-Management in letzter Zeit immer wieder vergeblich versucht, die Profitabilität der Industriebereiche entscheidend zu stärken.Der erst gut 100 Tage amtierende neue Viag-Chef Wilhelm Simson macht nun ernst.Die Algroup verhilft nicht nur zu führenden Weltmarktpositionen in den ziemlich kleinen Viag-Industriesparten.Sie bringt auch Profitabilität.Wenn dazu noch die Viag-Träume in der Telekommunikation reifen, stehen dem fusionierten Mischkonzern um die Jahrtausendwende neue Ergebnissprünge ins Haus.

Die Börse, die in der Regel einen guten Riecher für das Ertragspotential eines Unternehmens hat, reagiert auf die Fusionspläne seit Tagen mit sinkenden Viag-Kursen.Darin spiegelt sich vor allem der allgemeine Vorbehalt gegen Mischkonzerne wieder: Deren Geschäftsfelder hätten zu wenige Berührungspunkte.Es liegt an den Managern von Viag und Algroup, das Vorurteil zu widerlegen.









Stichwort Viag



75 Jahre nach der Gründung der Vereinigten Industrie-Unternehmungen AG als Dachgesellschaft für Stromwerke, Stickstoff- und Aluminiumbetriebe in Berlin nimmt das Unternehmen eine weitere Hürde auf dem Weg zum zukunftsfähigen Mischkonzern.Es ist nicht die erste.

Vor zwölf Jahren begann der Staat damit, die Viag zu privatisieren.In zwei Schritten übernahmen Privatanleger das Unternehmen.Plötzlich spielte Wertschöpfung eine wichtige Rolle, das Stichwort lautete Diversifizierung: Viag ging auf Einkaufstour.Der Konzern stieg in die Verpackungsindustrie (Gerresheimer Glas, Schmalbach-Lubeca) und die Logistik (Klöckner & Co.und Kühne & Nagel) ein.

Eine neue Dimension erreichte Viag vor vier Jahren, als sie die Mehrheit am Energieversorger Bayernwerk übernahm.Seinerzeit zog sie von Bonn nach München um.Zugleich begann sie, ihr neues Kerngeschäft, die Telekommunikation, aufzubauen.Von Beteiligungen in Papierherstellung (PWA) und Computerhandel (Computer 2000) trennte sich Viag schnell wieder.Auch vor der Bekanntgabe der Fusion mit der Alusuisse setzte Vorstandschef Wilhelm Simson (59) den Strukturwandel fort.Er kündigte Anfang November an, Viag werde seine Logistik-Beteiligung verkaufen.

Größter Aktionär ist mit 25,2 Prozent der Freistaat Bayern.Er will sich nach dem Vorbild des Bundes aber bald ganz von seinen Viag-Aktien trennen.Das Unternehmen setzte im vergangenen Geschäftsjahr ohne die verkaufte Computertochter Computer 2000 rund 41 Mrd.DM um.Der Jahresüberschuß lag bei 1,2 Mrd.DM.Stärkster Ergebnisträger ist das Energiegeschäft, das mehr als vier Fünftel zum Gewinn beitrug.

Sorgenkind der Viag ist derzeit die Telekommunikation: Tochter Viag Interkom bedarf riesiger Investitionen und bringt derzeit nur rote Zahlen

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