Wirtschaft : Die Börse tanzt auf dem Vulkan

Henrik Mortsiefer

Die Börse tanzt wieder. Nach dem Sturz auf den tiefsten Stand seit drei Jahren am 21. September geht es auf dem Parkett wieder rund. So stürmisch, dass manchem Börsianer schon wieder schwindelig wird: Die Angst vor Übertreibungen und ihren bösen Folgen sitzt vielen Anlegern noch im Nacken. Die Kursgewinne sind tatsächlich atemberaubend. Der Dax hat in drei Wochen um knapp 25 Prozent zugelegt, der Nemax 50 um fast 60 Prozent. Ein ähnliches Bild in den USA: Der Dow Jones gewann 14 Prozent hinzu, die Nasdaq 20 Prozent. So schnell hatte niemand mit einer Erholung der Märkte vom Terror-Schock gerechnet. Aber die Börse handelt wie immer mit Hoffnungen. Die Investoren schauen nach vorn. Was auf den ersten Blick paradox klingt, ist in der Logik der Märkte plausibel: Die düsteren Konjunkturaussichten der Wirtschaftsforscher und die drastisch zurückgenommenen Gewinnprognosen der Unternehmen sind in den Kursen längst verarbeitet. Gewettet wird jetzt auf den Startschuss für den Aufschwung. Da will keiner, zumal die auf gewaltigen Geldbeständen sitzenden Fonds, zu spät kommen.

Doch das Schwindelgefühl der Skeptiker trügt nicht. Der Einsatz bei dieser Wette ist hoch. Dafür spricht auch der hohe Anteil von so genannten Leerverkäufern, die mit Gewinn auf fallende Kurse spekulieren. Ein weiterer Terroranschlag, ein Schock auf dem Öl- oder Devisenmarkt - der schöne Kursgewinn wäre über Nacht zusammengeschmolzen. Die Berichtssaison für das dritte Quartal läuft noch, und die Vorboten für das vierte Quartal sind alles andere als hoffnungsvoll. Doch die Börse tanzt unbeirrt. Es könnte der Tanz auf dem Vulkan werden.

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