Wirtschaft : Die Börse verkraftet das Wahl-Chaos gut

Nach ersten Verlusten erholen sich die Märkte wieder / Experten sehen weiter Potenzial nach oben / Energiekonzerne im Minus

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Berlin Der unklare Ausgang der Bundestagswahl hat die deutschen Aktienmärkte am Montag leicht ins Minus gedrückt. Extreme Marktreaktionen blieben jedoch aus. Zum Handelsauftakt gab der Deutsche Aktienindex (Dax) 2,3 Prozent nach, erholte sich aber wieder. Bei Börsenschluss lag der Dax bei 4926 Punkten. Dies entsprach nur noch einem Rückgang um 1,2 Prozent, was Beobachter aber vor allem auf den Ölpreis zurückführten. Der Technologiewerte-Index Tec-Dax und der Index der mittelgroßen Unternehmen M-Dax kamen nach anfänglichen Verlusten sogar auf ein leichtes Plus. „Der deutsche Aktienmarkt birgt weiter Chancen für Kurssteigerungen“, heißt es in einer am Montag veröffentlichten Analyse der Deutschen Bank.

Andere Experten warnten ebenfalls vor Schwarzmalerei. So wird die Wahl nach Ansicht der Amerikanischen Handelskammer keine Auswirkungen auf US-Investitionen in Deutschland haben. Auch in Großbritannien sieht man das Wahlergebnis nicht dramatisch. „Schröder hatte ja schon wichtige Reformen eingeleitet, die Wirkung wird noch kommen“, sagte Peter Dixon, Volkswirt bei der Commerzbank in London. Zudem sei das Reformprogramm von Schwarz-Gelb auch nicht so unkritisch zu sehen. „Die Erhöhung der Mehrwertsteuer könnte den Konsum zurückgehen lassen“, sagte der Ökonom.

Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Bank of America, ist etwas skeptischer. Zwar sagte er, dass es „nicht zu großen Rückschritten“ kommen werde, da eine rot-rot-grüne Koalition sehr unwahrscheinlich sei. Allerdings gehe er davon aus, dass weitere Fortschritte ausbleiben könnten. „Die Chance für eine Beschleunigung des Wachstums ist etwas beschnitten worden.“ Auch laut Großbank UBS wird sich das Reformtempo in Deutschland nun verlangsamen. Das Ifo- Institut warnte, dass sich die Stimmung der deutschen Firmen eintrüben könnte.

Deutlicher als der Gesamtmarkt rutschten die Werte der großen Energieversorger ins Minus. „Die Märkte hatten die von Union und FDP angekündigten längeren Atomlaufzeiten teilweise schon eingeplant“, sagte Matthias Heck, Analyst beim Bankhaus Sal. Oppenheim, dem Tagesspiegel. „Jetzt sind sie verunsichert.“ Nach Einschätzung von Sal. Oppenheim sind längere Laufzeiten nun nur noch im Fall einer großen Koalition zu erwarten. „In diesem Punkt würde die SPD wohl nachgeben. Sie hängt eher an anderen Fragen“, erklärte Heck. Bei einer Jamaika-Koalition aus Union, FDP und Grünen hingegen seien längere Laufzeiten von Kernkraftwerken unwahrscheinlich, wenn auch nicht unmöglich. Im Fall einer rot-grünen Minderheitsregierung, die von der Linkspartei toleriert würde, sei klar, dass der Atomausstieg Bestand habe. „Wir sehen bei Eon nun ein Rückschlagpotenzial von bis zu fünf Prozent, bei RWE sogar von acht Prozent“, sagte Heck. Unternehmen der erneuerbaren Energien konnten sich am Montag hingegen deutlich verbessern.

Der Euro sackte nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses zunächst deutlich ab und fiel auf ein Monatstief unter die Marke von 1,20 Dollar. Gegen Nachmittag legte er aber wieder zu. Die europäischen Börsen zeigten sich von der deutschen Wahl weitgehend unbeeindruckt.

Nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) wird die Bundestagswahl keine unmittelbaren Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum haben. Er gehe davon aus, dass die neue Regierung unter Führung der Union stehen werde, sagte DIHK-Chef Ludwig Georg Braun. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) sprach sich für eine große Koalition aus, ebenso wie der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI). Der Bundesverband des deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) hingegen forderte eine schwarz-gelb-grüne Koalition.

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