Wirtschaft : Die Börsen feiern DaimlerChrysler

NEW YORK/FRANKFURT (MAIN) (pf).Am Dienstag wurde die DaimlerChrysler-Aktie erstmals an den Börsen in New York und Frankfurt notiert.Der neue Konzern beschäftigt rund 428 000 Menschen und erwartet von der Fusion zum drittgrößten Authersteller der Welt Einsparungen von 2,5 Mrd.DM.Die beiden Chefs des Unternehmens, Jürgen Schrempp und Robert Eaton, präsentierten DaimlerChrysler an der Wall Street.Das Spektakel wurde live in die Unternehmen des Konzerns übertragen.Die Berliner Dienstleistungstochter debis heißt jetzt DaimlerChrysler Services (debis) AG.

Der Börsenhandel beginnt wie üblich: Richard "Dick" Grossi, Präsident der Leitbörse New York Stock Exchange (NYSE), läßt zum Auftakt den Hammer fallen, die Glocke läutet, Hände werden geschüttelt.Man klatscht.Das bunte Treiben auf dem Börsenparkett geht los.Wer es noch nicht gemerkt hat, wird durch ein Riesenexemplar der neuen DaimlerChrysler-Aktie an der Wand hinter Grossi und seinen Gästen daran erinnert, daß heute kein Tag ist wie jeder andere.Die Gäste sind der bisherige Daimler-Benz-Chef Jürgen Schrempp und sein Kollege Robert Eaton von der Chrysler Corporation.Beide sind jetzt Vorsitzende des neuen Konzerns.

Draußen über dem Wall-Street-Viertel hängt Nebel.Es ist angenehm kühl im Gegensatz zu Stuttgart, wo Schneeregen und eisige Kälte herrschen.Fünf blaue DaimlerChrysler-Fahnen flattern von den Fahnenmasten des NYSE-Gebäudes Ecke Broad und Wall Street.Der "Day One" der ersten Welt-Aktiengesellschaft (Schrempp) beginnt - zumindest was Wetter und Stimmung angehen - an der Wall Street unter günstigen Vorzeichen.Der Titel unter dem Kurszeichen DCX notiert gleich nach Handelsbeginn höher.

Doch Schrempp und Eaton haben kein Sensationsmonopol.Während die Autobosse innen mit Interviews beschäftigt sind, hört Amerika über Rundfundsender die Tonbänder einer Unterhaltung zwischen Monica Lewinsky und ihrer einstigen Vertrauten Linda Tripp.Was sich zwischen Präsident Clinton und Lewinsky im Weissen Haus wirklich abgespielt hat, läßt in den Zeitungsspalten wenige Platz für "Belanglosigkeiten" wie Firmenfusionen.

Überschattet wird die Show außerdem durch die Sitzung des geldpolitischen Ausschusses der Notenbank Federal Reserve, die eine Zinsentscheidung zu treffen hat.Am Freitag, als Chrysler zum letzten Mal an der Wall Street gehandelt wurden, herschte auf dem Parkett Nostalgie.Chrysler schlossen mit einem satten Plus.

Man erinnerte sich: Zwanzig Jahre zuvor hatte der drittgrößte US-Autokonzern am Rande des Abgrunds gestanden.Damals wollte ihn nur einer haben.Eine Kreditgarantie der Regierung, die Chrysler-Chef Lee Iacocca aushandelte, machte den Italo-Amerikaner zu Volkshelden.Als die Fusion mit Daimler-Benz im Frühjahr angekündigt wurde, war Chrysler eines der bestverdienenden Unternehmen Amerikas.Chrysler-Arbeiter wie die meisten Durchschnittsamerikaner sind von dem Zusammenschluß jedoch immer noch nicht begeistert.Wenn es sich um Ehen zwischen Gleichgestellten handelt, warum wird dann Schrempp in drei Jahren Alleinherrscher werden, fragen sich die Amerikaner.Viele Mitarbeiter glauben nicht, was Schrempp heute wieder versichert hat: daß der Zusamenschluß neue Jobs schaffen wird.

Branchenexperten hingegen sind von dem 42-Milliarden-Dollar-Deal begeistert."Eine im Himmel geschlossene Ehe", sagt Seth Glickenhaus, Partner bei der Anlageberatungsfirma, die seinen Namen trägt.Und nach Susan Jacobs, Präsidentin der Auto-Consulting Jacobs & Associates, verspricht der Zusammenschluß große Chancen.

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